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Heute morgen ist ein Tukan gestorben. Einer von diesen seltenen Paradiesvögeln mit großem Schnabel, der stets zu lächeln scheint und buntem Gefieder. Es war früh morgens, kurz nach Sonnenaufgang. Ich stehe immer schon im Morgengrauen auf, ziehe zum Wachwerden eine paar Bahnen im Pool, mache Yoga und meditiere. Wenn die Sonne hinter den Bergen der „Ilhabela", der schönen Insel in Südbrasilien hervorkommt setze ich mich an meinen Stammplatz und beginne zu schreiben. Die Luft ist dann noch frisch, die Vögel fliegen an die Küste und begrüssen kreischend den Tag und ich bin alleine. Eine Atmosphäre, die mich inspiriert, in der ich meist wie in Trance seitenweise schreibe. Nur manchmal stockt der Fluss, ich atme tief durch und schaue in die Wolkenformationen. Eigentlich denke ich gar nicht recht nach, ich hole nur Luft, um wieder in den Schreibfluss einzutauchen wie ins Meer.

Ich werde von einem lauten klirrenden Geräusch unterbrochen. Einer der beiden Tukane, die hier manchmal zu Besuch sind, um von den Palmenfrüchten zu futtern ist in vollem Flug gegen ein Fenster gekracht. Ich eile auf die andere Seite des Pools, wo er zuckend am Boden liegt. Ich weiss, er wird sterben. Andere Menschen kommen dazu, reden und kippen ihm hilflos Wasser über den Kopf. „Om Vajrasattve Samaja..." Ich bemerke, dass ich leise ein buddhistisches Mantra spreche, es passiert einfach. Vielleicht hilft es ja, damit seine Seele einen guten Übergang in die andere Welt findet. Und ich fühle mich dadurch nicht so hilflos angesichts des Todes. Die Umstehenden gucken etwas irritiert, aber ich habe keine Lust auf die Fragen einzugehen und Erklärungen abzugeben. Gerade so ein seltener und schöner Vogel, sein Partner wird alleine sein ohne ihn und trauern, falls Vögel so was tun. Ich gehe an meinen Platz zurück, eine Windbö geht durch den Garten, die vielleicht die Seele wegträgt. „Mein Gott, bin ich sentimental.", denke ich. Was ist schon ein Vogel - jeden Tag sterben welche, das ist doch normal. Aber es ist mehr die Begegnung mit dem Tod, der Ehrfurcht gebietet und innerlich bewegt.

Heute gibt es eine Geburt zu feiern - mein Buch ist fertig. Nicht wirklich druckreif, aber der eigentliche Prozess des Schreibens ist abgeschlossen. Es wird noch mal einiges an Überarbeitung, Recherche und Neustrukturierung nötig sein, aber es ist wichtig einen Punkt zu setzten nach 4 Wochen des Nonstop-Schreibens. Punkt.

Ich sitze da und sollte mich freuen. Ich bin genau im Timing, denn heut abend besucht mich eine Freundin aus Sao Paulo, mit der ich feiern werde und einen Tag Urlaub verbringe, den ich mir vor dem Rückflug gönne.. Schriftsteller berichten das öfter, dass sie sich innerlich leer fühlen, wenn das Werk abgeschlossen ist. Ein Werk wird geboren, aber es fühlt sich eher so an, als wäre etwas in mir gestorben wie der Tukan heute morgen. Ein bisschen, als wäre ein Teil von mir weg und in diesem Buch.

Und ich will ja offensichtlich nicht aufhören zu schreiben, wie man gerade sehen kann. Punkt. Ich bleibe mit dieser Leere und fülle sie heute abend mit einem dieser fantastischen brasilianischen Cocktails...
Ach so, eine kleine Leseprobe gibt's bei den Artikeln - hab gerade einen Auszug meines Buches zum Thema Männerfreundschaften im Internet von hier hochgeladen.

Sonnige Herzensgrüsse aus Brasil von Björn

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