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Buchrezension mit integriertem Interview von André Martens für parship.de

„Was ist feminin?“ In ihrem neuesten Buch, Weiblichkeit leben: Die Hinwendung zum Femininen, widmet sich die systemische Paar-, Familien- und Sexualtherapeutin Leila Bust der Frage, was eigentlich die weibliche Identität ausmacht. Hierzu erforscht sie die Höhen und Abgründe der Weiblichkeit und lädt ihre LeserInnen zu einem neuen Blick auf die alte Geschlechterdiskussion ein.

Ausführlich wird die Frage behandelt, wie es dazu kommen konnte, dass sich Frauen in den letzten Jahrzehnten immer mehr an männlichen Vorbildern orientieren und auf diese Weise ihre femininen Seiten verkümmern lassen. Dass dies paradoxerweise im Zuge der Frauenbewegung geschehen ist, verwundert die Autorin nicht: Die durch die Emanzipation erwirkten Freiräume wurden meist nicht mit einer eigenen Identität gefüllt, sondern durch eine Außenorientierung an („starken“) Männern. Rollenkonfusion und Verunsicherung waren nicht selten das Ergebnis. Karriere, Kind und Selbstverwirklichung unter einen Hut zu bringen, kann leicht überfordern. Viele Frauen, so die These, begeben sich zwar auf die Suche nach ihrer ursprünglichen Weiblichkeit, können diesen Ausdruck aber nicht mit Inhalt füllen.

Leila Bust thematisiert jedoch nicht ausschließlich die Ursachen der weiblichen Rollenkonfusion, sondern stellt auch eine eigene „neue Vision von Weiblichkeit“ vor und gibt Tipps, wie Frauen ihre Körperlichkeit, Weiblichkeit und Sexualität für sich selbst voll entwickeln können. Parship.de hat die Autorin interviewt:


Liebe Frau Bust, orientieren sich Frauen zu sehr an Männern?

Leila Bust: Ja! Natürlich sucht jede Frau erst einmal die Bestätigung für ihr Frausein beim Mann – wie umgekehrt auch. Tut sie dies jedoch ausschließlich, vergleicht sie sich mit ihm, ahmt ihn nach, passt sich an oder geht in Konkurrenz mit ihm, weil sie besser sein will als er, ist die Orientierung zu stark. Das ist schädlich für die eigene Feminität als auch für das Frau-Mann-Verhältnis.

Auch die Frauenbewegung hat ihren Teil dazu beigetragen, dass Frauen sich am Mann orientierten, schließlich wollten sie einen ebenbürtigen Platz auf der Bühne von Politik und Wirtschaft. Gleichzeitig wurde die bis dato geltende Rolle der Frau mit ihrer Zuständigkeit für die drei K`s (Kinder, Küche, Kirche) abgelehnt und die damit verbundenen weiblichen Qualitäten. So entwickelten wir deutschen Frauen sehr stark unsere männliche Seite auf Kosten der femininen, die immer mehr in den Hintergrund verdrängt wurde.


Worin zeigt sich Ihrer Ansicht nach am auffälligsten die Weiblichkeit einer Frau?

Leila Bust: Am augenscheinlichsten natürlich erst einmal in ihrem Äußeren: ihren weichen Körperformen, sowie der betont weiblichen Kleidung. Jedoch muss eine sehr attraktive Frau nicht unbedingt besonders feminin sein. Viele Models und Stars benutzen antrainierte weibliche Attribute wie Kleidung, Styling oder sinnlichen Gang oft nur professionell, ohne einen inneren Kontakt zu ihrem Körper zu haben. Auch eine äußerlich weniger attraktive Frau kann sehr feminin sein.

Ihre Bewegungen sind dann eher langsam und fließend, ihre Sprache weich und angepasst. Sie ist körperbetont und legt Wert auf Make-up und Schmuck, um ihre Feminität damit zu unterstreichen. Ihr Körperbewusstsein zeigt sich in ihrer Sinnlichkeit und der Fähigkeit zu genießen. Sie ist eher prozessorientiert statt zielorientiert und hat ein ausgleichendes Wesen. In ihren Beziehungen sucht sie Harmonie statt zu provozieren oder zu konfrontieren. Sie kann aber auch ein wildes Temperament haben und ihre Gefühle direkt und unmittelbar zum Ausdruck bringen.

Die weibliche Energie ist ursprünglich schöpferisch und kreativ. Sie drückt sich intuitiv, instinkthaft und körperlich-sinnlich aus. Sie ist offen, empfänglich und eher nach Innen gekehrt. Verbundenheit, Geborgenheit, Kontinuität und Sicherheit sucht und gibt sie auch. In der Sexualität vermag sie loszulassen und sich hinzugeben. Der zielorientierte Orgasmus steht nicht im Fokus, sondern das sexuelle Erleben. Daher hat sie das Potenzial zu vaginalen Mehrfachorgasmen oder auch zum uterinen Orgasmus.


Wie sieht Ihre „neue Vision von Weiblichkeit“ aus?

Leila Bust: Ich habe dafür den Begriff „Dakini“ (Sanskrit: Himmelstänzerin) gewählt. Sie ist eine Frau, die sich selbst in ihrem Frausein gefunden hat – unabhängig von gesellschaftlichen Konventionen und Rollenklischees. Sie hat ihre Körperlichkeit, Weiblichkeit und Sexualität für sich voll entwickelt und sich damit tief verbunden. Sie ist in gutem Kontakt mit ihrer eigenen Selbstwahrnehmung und weiß, was ihr gut tut und was nicht. Sie kann ihre Weiblichkeit leben, indem sie sich einem Mann, einer Gruppe oder Situation anpasst ohne sich dabei aufzugeben. Sie ist eine selbstbewusste Frau: integer, ehrlich und kommuniziert offen ihre Wünsche und Bedürfnisse.

Sie erlebt sich als sinnlich-sexuelles Wesen und lebt eine freie Sexualität. Sie ist offen, neugierig und begeistert vom Leben und den Menschen. Daher hat sie viele Kontakte, Frauen und Männer, die sie trifft, um mit ihnen zu feiern, zu tanzen oder auch sich auszutauschen. Sie erlebt sich als liebendes Wesen, das viel zu geben hat – vor allem dem Mann – ohne dass sie ihn „braucht“ oder ständige Liebesbeweise einfordern muss. Denn sie ist innerlich stark und selbstbewusst und weiß, wer sie ist und was sie will: lieben, sich verschenken und das Leben genießen.


Wie eng sind weibliche Identität und weibliche Sexualität miteinander verknüpft?

Leila Bust: Weiblichkeit hat mit Körperlichkeit und Sexualität zu tun. Der Weg zur eigenen Weiblichkeit geht daher über eine positive Beziehung zum eigenen Körper. Ihn nicht nur sportlich zu ertüchtigen, sondern eine liebevolle Akzeptanz zu ihm zu entwickeln und ihn von innen zu fühlen, sich mit seinen Empfindungen, Bedürfnissen und seinen Sinnen zu verbinden. Das sich wohl fühlen im eigenen Körper ist für die meisten Frauen eine wesentliche Voraussetzung, um Freude an der Sexualität zu haben.

Viele Frauen definieren sich nicht nur in ihrem Selbstverständnis am Mann, sondern orientieren sich auch in der Sexualität sehr stark an ihm. Daher geht es für viele Frauen darum, einen eigenen Zugang zu ihrer Lust und Sexualität zu bekommen, unabhängig vom Mann, die eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Voraussetzungen für eine lustvolle und für sie befriedigende Sexualität kennen zu lernen und einzubringen.


Was ist die größte Herausforderung für eine Frau in der Beziehung zu einem Mann?

Leila Bust: Ihn in seinem Anders-sein, das immer auch ein Stück weit fremd ist und bleibt, zu akzeptieren, ja sogar zu genießen und ihn nicht nach den eigenen Vorstellungen zu vereinnahmen. Seine männliche sexuelle Energie nehmen zu können und gleichzeitig bei sich selbst und der eigenen femininen Energie bleiben zu können, auch wenn sie sich dabei ganz hingibt.


Welche Bedeutung hat Ihre langjährige Beratungs- und Seminartätigkeit als Paar- und Sexualtherapeutin für Ihr eigenes Weltbild und Selbstverständnis? Hat sich Ihre eigene Sicht auf Frauen und Männer in den vergangenen Jahren grundlegend verändert?

Leila Bust: Ja, durchaus. Als ich mein Buch „Weiblichkeit leben“ schrieb, habe ich meine alte Diplomarbeit wieder hervorgeholt. Sie hatte das Thema: „Die Wiederentdeckung des Weiblichen für den ganzheitlichen Menschen“. Dieses Thema hat mich mein Leben lang begleitet.

Heute steht jedoch nicht mehr der ganzheitliche (oder androgyne) Mensch im Fokus unserer Arbeit, sondern wir provozieren ganz klar in unseren Seminaren die Polarität zwischen Mann und Frau. Unsere Intention ist es, die Frauen wieder zu ihrer femininen, die Männer zu ihrer maskulinen Energie zurückzuführen.


Wen dürfte Ihr Buch „Weiblichkeit leben“ besonders interessieren?

Leila Bust: „Weiblichkeit leben“ ist eine Einladung für alle Frauen, die neugierig auf ihr Frausein sind und sich nicht mit vorgefertigten Antworten zufrieden geben, sondern sich selbst in ihrer Weiblichkeit erforschen wollen. Das ist unabhängig von ihrem Alter und gesellschaftlichen Status, welchen Beruf sie ausüben und ob sie als Single oder in Partnerschaft leben.


Können Sie unseren Leserinnen abschließend ein paar Tipps geben, wie eine „Hinwendung zum Femininen“ konkret aussehen kann?

Leila Bust: Mithilfe von Aktivitäten wie Tanzen, Massagen, im Zusammensein mit anderen Frauen oder auch Meditation. Dabei werden die weiblichen Qualitäten neu erweckt: Sensibilität, Herzlichkeit, ein gutes Körperbewusstsein. So lernen Frauen zu entspannen, Gefühle und Bedürfnisse achtsamer wahrzunehmen. Auch die beim Sex!

Leila Bust: Weiblichkeit leben. Die Hinwendung zum Femininen
Ellert & Richter Verlag, Hamburg 2012; 296 Seiten, 16,95 €
ISBN: 978-3-8319-0445-7

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