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Eifersucht und Kontrolldramen

In meinem letzten Buch habe ich dieses Thema aus Männersicht behandelt, es ist aber so komplex und auch wichtig, dass ich gerne einige Aspekte hinzufügen und weiter ausführen möchte. Es herrscht eine ungeheure Verwirrung darüber, was der Ursprung ist, ob Eifersucht krankhaft oder normal ist und ob man selbst Einfluss darauf hat oder ihr hilflos ausgeliefert ist. Ist derjenige, der wirklich liebt auch eifersüchtig und wer nicht eifersüchtig ist liebt auch nicht wirklich? Wie erreicht man zu einem guten und bewussten Umgang mit diesem Thema?

Zunächst möchte ich zwei unterschiedliche Dinge voneinander abgrenzen: Eifersucht und das Bedürfnis eigene Grenzen abzustecken. Denn hier herrscht viel Verwirrung, die sich zwischen den beiden extremen Positionen ausdrückt:

Eifersucht ist mein Recht!

Mein Partner gehört mir und ich kontrolliere jede seiner Begegnungen mit dem anderen Geschlecht. Meine Eifersucht rechtfertigt jedes kontrollierende Verhalten sowie das Verletzen der Intimsphäre des Partners. Entzieht sich mein Partner meiner Kontrolle rechtfertigt dies alle Maßnahmen, um die Kontrolle über ihn wieder zu erlangen wie Spionage, Manipulation und Erpressung, sogar Androhung oder tatsächliche Trennung. Selbst extreme Maßnahmen werden dabei ohne Unrechtsbewusstsein vollzogen. Die Eifersucht rechtfertigt alle Mittel bis hin zu emotionaler und körperlicher Gewalt. Diese Haltung ist unter Frauen übrigens wesentlich verbreiteter als unter Männern, auch wenn die Medien bevorzugt Eifersuchts-Gewaltdelikte von Männern publizieren.

Die andere Extremposition lautet: jede Eifersucht und auch Grenzziehung ist krankhaft und ich sollte mir dies abgewöhnen. Diese Haltung findet man häufig in tantrischen Kreisen, Swingerclubs oder bei Menschen, die an das Konzept der freien Liebe glauben. Eifersucht und jegliches Setzen von Grenzen im Kontakt mit anderen ist übersteigertes Besitzdenken und krankhafter Machtanspruch über den Partner. Wahre Liebe lässt den anderen frei und ihn tun und lassen, was für ihn richtig ist. Der Partner darf intime und sexuelle Kontakte mit anderen haben, vielleicht auch eine oder mehrere weitere Beziehungen. Ich leide zwar darunter, habe aber kein Recht aktiv etwas zu unternehmen, denn das würde bedeuten meiner krankhaften Eifersucht Nahrung zu geben. Ich muss durch mein Leiden gehen, um meine Minderwertigkeitsgefühle zu überwinden.

Die Kontrolldramen

Die erste Position beruht auf einem verinnerlichten Kontrolldrama, einer Verhaltensweise, um den anderen zu kontrollieren und sich selbst wieder die Aufmerksamkeit zu verschaffen, die er gerade anderen widmet. Bei emotionalen Menschen wird das Kontrolldrama des Einschüchterers aktiviert: mit emotionalen oder körperlichen Drohgebärden, Beschuldigungen und Erpressung wird der andere zu einer Verhaltensänderung genötigt, indem er verängstigt und erpresst wird. Jeder sieht vor sich Szenen mit wütenden Ehefrauen und Männern, die sich emotional aufbrausend oder auch gewalttätig gegen den eigenen Partner oder den Liebhaber wenden. Interessanterweise ist dieses Verhalten gesellschaftlich weitgehend akzeptiert, jeder hat Verständnis für eine Eifersuchtsszene und die meisten Menschen gestehen dem Gehörnten das Recht zu sich so aufzuführen. Selbst in der Rechtssprechung gelten bei Körperverletzung mit dem Hintergrund von Eifersucht mildernde Umstände.

Bei eher intellektuellen Menschen wird der "Vernehmungsbeamte" aktiviert: der andere wird ausgefragt und kontrolliert mit der inneren Haltung: Ich habe ein Recht alles über dich zu erfahren. Ich bin im Recht und setze dich ins Unrecht.

Wo warst du? Mit wem hast du dich getroffen? Wieso kommst du erst jetzt heim? Wer ist diese Frau, die dir die sms geschickt hat? Der Vernehmungsbeamte mit seinen W-Fragen beißt sich wie ein Steuerfahnder fest und lässt nicht locker, bis die letzte Information aus dem Partner rausgequetscht wurde. Der extreme Kontrollzwang des Kontrolleurs rechtfertigt sogar das Lesen von Tagebüchern des Partners, Zugang zu Handy, Mails und anderen persönlichen Informationen, Befragung von Freunden oder Einschaltung eines Detektivs. Der Andere wird ins Unrecht gesetzt, um Schuldgefühle und Reue zu erreichen. Die Überzeugung des Vernehmungsbeamten lautet: Ich habe ein Recht auf Kontrolle über meinen Partner. Und tatsächlich brauchen die Menschen keine Spionage-Software auf dem Handy des Partners installieren, sie haben ihn nach einiger Zeit so erzogen, dass er im vorauseilenden Gehorsam stets Rechenschaftsberichte abgibt, wo er sich mit wem aufhält und was er macht, um den Partner bloß nicht eifersüchtig zu machen. Schon der erotische Gedanke an jemand anderen führt zu schlechtem Gewissen und nötigt ihn zur Beichte. Der Vernehmungsbeamte versucht also die totale Kontrolle über die Handlungen, Emotionen und Gedanken des Partners zu erlangen. Das geht teils soweit, dass jemand dem Partner wegen mentaler Untreue die Trennung androht.

Die zweite Position beruht auf drei weiteren Kontrolldramen, die aber eher passiver Art sind. Entweder derjenige ergibt sich demütig den Eifersuchtsszenen oder Kontrollmechanismen des Partners und akzeptiert dessen Verhalten. Oder er selbst leidet unter seiner Eifersucht und dem Flirten oder Fremdgehen des Partners. In beiden Fällen liegt die Haltung des Opfers vor. Er nimmt sich aus Angst oder aus ideologischen Gründen aber das Recht dem Partner Grenzen zu setzen. Für sein Leiden setzt er sich selbst und auch den anderen dabei ins Unrecht. Die unbewusste Botschaft lautet nämlich: Schau her, ich leide wegen dir! Das ist der Beweis meiner Liebe! Wenn du mich wirklich lieben würdest, dann würdest du dein Verhalten verändern. Das Opfer erzeugt subtil oder auch direkt Schuldgefühle im anderen und versucht so indirekt die Kontrolle über den Partner zu bekommen. Wer glaubt, das funktioniere nicht sollte sich mal umschauen- diese Methode ist äußerst effektiv. Und es ist sehr praktisch: dem Partner wird für alles, was im eigenen Leben schiefläuft die Schuld gegeben: Weil du fremdgehst werde ich krank, leiden mein Beruf und meine Freundschaften.

Ein anderes Kontrolldrama ist das des Ablenkers. Hier entzieht man sich dem Partner und beweist sich seine eigene Unabhängigkeit, indem man vor den Augen des Partners mit anderen flirtet und dem anderen Zeigt, dass er austauschbar ist. Am deutlichsten passiert das z.B. in einem Swingerclub, wo sich beide gegenseitig ihre Unabhängigkeit beweisen, indem sie intime Kontakte respektive Sex haben. Hier liegt oft eine heimliche Rachsucht vor mit der Haltung: Schau her, was du mir antust! Jetzt sollst du mal erleben, wie das ist! Oder aber: Ich beweise mir meine Freiheit und Unabhängigkeit. Du kannst mich gar nicht verletzen. Leider wird die Beziehung aber so innerlich zerfressen. Was zunächst eine aufregende Ablenkung war bewirkt letztendlich einen emotionalen Rückzug vom Partner.

Das dritte Kontrolldrama ist ähnlich gelagert, nur distanzierter und cooler. Der Unnahbare leugnet jede Eifersucht, jedes Besitzdenken oder Verletztheitsgefühle. Scheinbar abgeklärt und mit allem einverstanden zieht er sich aber innerlich zurück. Die unbewusste Botschaft an den anderen lautet: Ich zeige mich nicht und lasse mich nicht auf dich ein, ich werde dir niemals gehören. Deshalb kannst du mich auch nicht verletzen. Der Unnahbare vermeidet echte Intimität und das Zeigen von Gefühlen. So schützt er sich und hält den anderen auf Abstand. Es entsteht niemals eine echte Intimität zwischen den beiden Partnern.

Beide Kontrolldramen, der Ablenker und der Unnahbare können aber auch als Reaktion auf einen Partner inszeniert werden, der als Einschüchterer oder als Vernehmungsbeamter die Kontrolle erlangen will. Beide Strategien dienen dann, genauso wie das Opfer als eine wirkungsvolle Gegenmaßnahme im Machtkampf mit dem Partner.

Der Ursprung der Eifersucht

Eifersucht beruht immer auf einer Erfahrung des Mangels von Liebe, angelegt in der Kindheit. Die Eltern geben dem Kind nicht die Liebe, die es braucht und es fühlt sich vernachlässigt. Oder ein Geschwisterkind wird geboren und das ältere Kind bekommt plötzlich nicht mehr die Aufmerksamkeit, die es vorher bekam. Vielleicht bricht durch Trennung oder Tod der Kontakt mit Mutter oder Vater ab und das Kind glaubt: Papa liebt mich nicht mehr und ist deshalb weggegangen. Oder: Ich bin nicht liebenswert / gut oder brav genug ..., um von Mama geliebt zu werden. Es gibt vielfältige Gründe, warum ein Gefühl nicht geliebt zu werden und ein Mangelbewusstsein in der Kindheit entstehen kann. Da diese Erfahrung so schmerzhaft ist legt man sich einen Schutz- und Kontrollmechanismus zu, der zumindest die Kontrolle über die Eltern sicherstellen soll. Durch Wutanfälle, still und brav sein, Heulanfälle, krank werden oder anderes manipulatives Verhalten lernt das Kind, wie es die Aufmerksamkeit der Eltern bekommt. Oder das Geschwisterkind wird ausgetrickst und ins Unrecht gesetzt, damit es schlechter vor den Eltern dasteht, um die Aufmerksamkeit auf sich selbst zu ziehen. Nicht umsonst streiten viele Geschwister erbittet miteinander doch nicht um das Spielzeug, sondern um die Liebe der Eltern. Dieses Verhalten wird viele Jahre lang antrainiert und später unbewusst auf den eigenen Partner übertragen. Man bekommt zwar dadurch keine Liebe, aber immerhin Aufmerksamkeit - der Partner wendet sich einem zu.

Eifersucht aktiviert Gefühle der Unzulänglichkeit, Kleinmut, Verlustangst und Minderwertigkeit. Diese werden aber nicht als die eigenen Defizite erkannt, sondern auf den Partner als Ursprung dieser Gefühle projiziert. Das führt bislang zu unsinnigen Ergebnissen:

Hoch oben am vereisten Yukon kamen zwei Trapper zur letzten Bergstation, um sich mit Vorräten für den langen kalten Winter einzudecken. Sie hatten ihre Schlitten mit Mehl, Konservendosen, Kerosin, Streichhölzer und Munition vollgepackt und wollten sich gerade auf den Weg durch den Schnee machen, um sechs Monate in der Wildnis zu verbringen. Da rief der Ladenbesitzer: „Wartet mal! Wollt ihr nicht noch das hier mitnehmen?" Und er zeigte ihnen eine lange Holzplanke, die wie eine Eieruhr geformt war.„Was ist das?", fragte einer der Trapper. Der Ladenbesitzer zwinkert mit den Augen. „Das nennt man Liebesholz. Ihr könnt es in die Arme nehmen, wenn ihr euch einsam fühlt." „Wir nehmen zwei!" riefen die Männer.

Sechs Monate später kehrte einer der Trapper zurück, bärtig und abgezehrt. „Wo ist dein Kumpel?" fragte der Ladenbesitzer. „Musste ihn erschießen", brummte der Trapper, „hab ihn erwischt, wie er mit meinem Liebesholz rumgemacht hat.“

Eifersucht hat immer mit einem Mangel an Selbstwert und Selbstliebe zu tun, mit dem der Partner einen durch sein Verhalten in Kontakt bringt. Ein Zweifel an sich selbst als Mann oder Frau bewirkt eine Verlustangst - die Überzeugung, dass man nicht ausreicht und andere besser, schöner, intelligenter oder potenter sind und der eigene Partner sich deshalb abwenden könnte. Insofern würde ich Eifersucht grundsätzlich als unerlöstes Verhalten bezeichnen, auch wenn es in unserer Gesellschaft, die als einziges vorzeigbares Lebenskonzept die Monogamie bietet als normal gilt eifersüchtig zu sein. Das Gefühl von Eifersucht aktiviert auf jeden Fall negative Überzeugungen in Bezug auf die eigene Weiblichkeit oder Männlichkeit, den Selbstwert und die eigenen Fähigkeiten als Liebhaber. Je mehr Selbstzweifel man hat und je unbewusster man ist, umso leichter können diese durch den Partner aktiviert werden. Niemand möchte so etwas fühlen und versucht dann durch Kontrolle des Partners diese Gefühle zum Verschwinden zu bringen. Doch sie werden lediglich unterdrückt. Ein besserer Weg ist die persönliche Arbeit an sich selbst, um Selbstliebe zu entwickeln und den Selbstwert zu stärken. Darüber hinaus lohnt es sich zu lernen, wie man ein guter Liebhaber wird, der Wissen und einen guten Zugang zu seiner männlichen bzw. weiblichen Essenz hat.

Es gibt aber noch einen anderen, sehr gewitzten Weg, um Eifersucht und Verlustangst zu vermeiden: mach es wie Mullah Nasruddin:

Mullah Nasruddin hat eine der hässlichsten Frauen geheiratet. Ich fragte ihn. "Warum denn das Mullah? Was ist schief gegangen? Welcher Teufel hat dich geritten?"Er sagte: „Nichts ist schief gegangen. Ich habe nur etwas verstanden."Ich sagte: „Was für ein Verständnis soll das denn sein?"Er sagte. „Jetzt werde ich nie mehr eifersüchtig sein. Und ich werde meine Frau nie verdächtigen, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass irgend jemand Anderes sie begehrt."

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