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lifecreation-2Der Herzenskrieger - für eine neue und selbstbewusste Männlichkeit

Die meisten Männer haben ihr Herz an die Frauen verloren: an die Mutter, die Kindergärtnerin, die Freundin, die Ehefrau. Solange Männer auf Bestätigung durch Frauen hoffen, bleiben sie in einer abhängigen und isolierten Position. Als "netter Mann" bemühen sich immer mehr Männer um die Gunst einer Frau, ohne zu bemerken, dass sie damit das Beste opfern, das sie besitzen: Ihre Männlichkeit.

Die Frauenbewegung hat in der westlichen Zivilisation in den letzen Jahren eine deutliche Veränderung im Selbstverständnis von Männern und Frauen bewirkt. Traditionelle Werte, die mit stereotypen Denk- und Verhaltensweisen einher gegangen sind, wurden in Frage gestellt. Dadurch wurde ein neuer Bewusstseinsprozess eingeleitet. So akzeptiert heute kaum noch eine gebildete Frau die Rolle einer sich für den Mann an Heim und Herd aufopfernden Ehefrau. Frauen stellen immer mehr ihre persönliche Entwicklung und berufliche Karriere in den Vordergrund. „Selbst ist die Frau" - unabhängig und selbstbewusst. Und das ist nach einigen tausend Jahren Patriarchat auch nötig gewesen.

Jagd, Kampf und Aggression prägten über Jahrtausende die männliche Rolle und bildeten nicht zuletzt auch die Grundlage für das menschliche Überleben und das humane sich Behaupten in der Evolutionsgeschichte. Männliche Werte und Eigenschaften waren durch Mut, Disziplin, Willensstärke, durch Verantwortungsübernahme und durch Zielstrebigkeit geprägt. Entsprechend war auch die männliche Sozialisation ausgerichet. Die Erziehung zu „männlichen Eigenschaften" und Tugenden war bis vor zwei bis drei Jahrzehnten gesellschaftlich ausdrücklich gewünscht und wurde für einen Jungen und Mann als notwendig angesehen.

Die weibliche Rolle hingegen war in der Evolutionsgeschichte vorrangig auf die Reproduktion, die Erziehung der Kinder, der Ernährung und der Fürsorge ausgerichtet. Hingabe, Einfühlungsvermögen und Anpassungsbereitschaft bildeten die Verhaltensmuster der klassischen Frauenrolle. Diese war meist durch die Abhängigkeit vom Mann geprägt, der auch ihren gesellschaftlichen Status bestimmte.

Ein sicherlich notwendiger gesellschaftlicher Wertewandel bedingte, dass sich klassische Rollenmuster veränderten. Frauenbewegung und Emanzipationsbestrebungen haben in den letzten dreißig Jahren jedoch nicht nur die gesellschaftliche Rolle der Frauen verändert sondern entsprechend auch bei ihrem geschlechtlichen Pendant, den Männern, massive Veränderungen bewirkt.

Heute sind klassische Machos und alleinig aufgrund ihrer geschlechtlichen Herkunft basierenden „Tonangeber" out und die Geschlechterrollen haben sich einem gründlichen Wandel unterzogen. Dabei hat der Wandel in den Geschlechterrollen jedoch keinesfalls nur längst überfällige verkrustete Strukturen verändert, sondern hat bei beiden Geschlechtern auch zu einer zunehmenden Rollendiffusion geführt. Frauen stellen sich oftmals die Frage, ob sie sich für Kinder oder Karriere entscheiden sollen und finden beide Rollen meist kaum miteinander vereinbar. Soziodemographisch zeigt sich dieses Dilemma auch deutlich in den starken Geburtenrückgängen, insbesondere bei Frauen mit gehobenem Bildungsabschluss.

Wesentlich dramatischer aber wirkt sich der Wertewandel auf Männer aus. Die Erziehung und gesellschaftliche Wertschätzung von männlichen Tugenden hat sich in den letzten 30 Jahren eher in ihr Gegenteil verkehrt und männliche Eigenschaften wurden Männern zunehmend aberzogen. So entwickelten immer mehr Männer ihre weibliche Seite: Sie lernten auf Frauen einzugehen, Karriere nicht als oberstes Ziel zu sehen und ihr Selbstverständnis sich als Mann von der Bestätigung durch Frauen abhängig zu machen.

In meiner mittlerweile 20-jährigen Erfahrung in der Seminararbeit und therapeutischen Beratung beobachte ich eine kontinuierliche Veränderung im Kontakt zwischen Männern und Frauen: Frauen gewinnen immer mehr an Stärke und Selbstbewusstsein, entwickeln ihre Durchsetzungsfähigkeit und ihre Willenskraft und stärken ihre männlichen Anteile.

Männer hingegen entdecken immer mehr Qualitäten wie Emotionalität, ihr Harmoniebedürfnis, Ruhe und Einfühlungsvermögen - sie stärken ihre weibliche Seite. Auf den ersten Blick mag es so erscheinen, dass dies zu mehr Annäherung und Verständnis zwischen den Geschlechtern führt. In der Praxis jedoch zeigt sich eine tiefe Verunsicherung, die insbesondere die Männer betrifft.

Immer mehr Männer leiden in Partnerschaften unter emotionaler Abhängigkeit oder ziehen sich in die Einsamkeit zurück. "Wer bin ich als Mann?" ist eine Frage, die viele Männer beschäftigt. Klassische männliche Qualitäten wie Disziplin, Ehrgeiz, Aggression und Pflichtbewusstsein werden abgelehnt - meist einhergehend mit einer Ablehnung des eigenen Vaters - dem ersten Vorbild für Männlichkeit im Leben. Viele Männer bemühen sich darum, jegliche Aggressivität, Kraft und auch ihre Sexualität zu verstecken, denn: Einer Frau weh zu tun ist ein ultimatives Tabu. Sie selbst aber sind bereit, sich emotional verletzen zu lassen - wie kleine Jungen, die auf eine Anerkennung durch ihre Mutter hoffen, wenn sie lieb sind und niemandem weh tun. Je netter sie werden, umso mehr verlieren sie sich selbst als Mann, wie der Wolf, der sich in einem Schafspelz versteckte und irgendwann vergaß, dass dies nur eine Verkleidung war.

Das Paradoxe ist: Die meisten Frauen haben auf Dauer wenig Interesse an einem "netten" Mann. Sobald eine Frau die Dominanz über "ihren" Mann hat, befindet sie sich in der Mutterrolle und betreut ihn als großen Jungen. Da sucht sie sich lieber einen "richtigen" Mann, um etwas Aufregendes zu erleben. Unsere Umfrage zum Sexualverhalten ergab, dass Frauen mittlerweile genauso treu oder untreu wie Männer sind, eine Umfrage in Player 3/2007 sagt, dass 67% der Frauen fremdgehen, weil sie mit ihrem Sexleben unzufrieden sind, 23% aus purer Abenteuerlust.

Immer mehr liebe und nette Männer versuchen ihrer Partnerin alles recht zu machen und verlieren sich dabei als Mann - nicht selten verlieren sie auch ihre Frau dadurch. In Spielfilmen dominiert meist der nette, trottelige Partner in Beziehungen. Die Frau hat die Macht, hat die Führung und Kontrolle und er punktet wenn durch liebenswerte „Marotten". Männer werden als große Jungen dargestellt - ohne Biss, ohne Macht und völlig abhängig von ihrer Partnerin - ein Spiegelbild vieler Beziehungen.

Frauen übernehmen immer mehr die Führung und Verantwortung in Ehe und Beziehungen, während Männer zu „Problemfällen" werden, die sich nicht verändern wollen. Sie werden zu braven und lieben Jungen, die keiner Frau weh tun wollen, die bereit sind ihre eigenen Wünsche und Visionen, ihre Freiheit und Aggression aufzugeben, manchmal sogar ihre Sexualität, um eine Frau glücklich zu machen.

Auch gesellschaftlich werden Männer immer mehr zu Problemfällen, die die Führung über ihr eigenes Leben verlieren oder sie an die Partnerin delegieren. Der gesellschaftliche Wertewandel hat dazu geführt, dass heute intensiv die Rolle der Frauen gestärkt wird. Jede größere Stadt unterhält heute eine städtische Gleichstellungsstelle, deren Gleichstellungsbeauftragte darauf achten sollen, dass Frauen nicht benachteiligt sondern gefördert und besonders geschützt werden. In den Kulturangeboten der Städte finden sich öffentlich geförderte geschlechtspezifische Angebote, die ausnahmslos Frauen vorbehalten sind.

Die Erziehung in den Sozialisationsinstanzen Kindergarten und Schule verfolgen min den letzen beiden Jahrzehnten mit pädagogischen Konzepten bevorzugt die Förderung von Mädchen. Mit durchschlagendem Erfolg: Mädchen verfügen heute flächendeckend über die besseren Schulnoten und besseren Abschlüsse. Sie gelten als sozial kompetenter und besitzen Qualitäten und Fertigkeiten, die für ein späteres erfolgreiches Berufsleben gefragt sind.

Alles ein Ergebnis besserer individueller Voraussetzungen bei Mädchen für eine moderne Gesellschaft?

Einer umfangreichen Mädchen- und Frauenförderung stehen auf der anderen Seite einer zunehmend einseitigen Orientierung, die Verlierer des Wertewandels gegenüber: Jungen und Männer werden zunehmend zu Problemfällen mit weit reichenden sozialen Folgen.

Jungen wird Aggression und Freiheitsdrang abtrainiert, damit sie ungefährlich, demokratisch und einfühlsam werden. Die Jungen werden die besseren Mädchen - sanft und verständnisvoll bis hin zu naiver oder einfach feiger Angepasstheit an die vermeintlichen Wünsche der anderen. Und die anderen - das sind im Leben von immer mehr Jungen heute die Frauen, denen er gefallen will und deren Werte er auch als erwachsener Mann übernimmt.

Die Verunsicherung von Männern geht so weit, dass viele Frauen sich heute danach sehnen einen Mann an ihrer Seite zu haben, der Integrität und Rückgrat hat und den Mut ihnen in ehrlicher und respektvoller Form Contra zu bieten. Ein Mann, den Frau auch mal anschreien kann und der nicht weinend zusammenfällt oder ängstlich wegläuft, sondern dagegen halten kann. Ein Mann, der Konflikte, Schmerzen oder Verluste riskiert, um sich selbst und seinen Visionen treu zu bleiben.

Immer mehr Frauen sehnen sich nach Männern, die wissen, was sie wollen und bereit sind dafür zu kämpfen, Männer, die entschieden Ja, aber auch Nein sagen können und nicht ihre Fahne mit einem lauwarmen „mal schauen" in den Wind hängen. Frauen vermissen einen Mann, der auch mal einen emotionalen Sturm aushält und den Kontakt zu seinem eigenen Herzen nicht verliert. Ein Mann, den Sie respektieren und an den sie sich anlehnen können.

Abhängigkeit von Frauen

In meine therapeutischen Praxis kommen in den letzten Jahren immer mehr Männer, die sich von Frauen in ihrem Leben emotional abhängig fühlen. Hans* ist hier ein typisches Beispiel:
Ein attraktiver und gepflegter Mann, ein erfolgreicher Rechtsanwalt kommt zu mir in die Beratung, weil er in seiner Ehe unglücklich ist. Nach der Geburt seines mittlerweile 4-jährigen Sohns, den er sehr liebt häufen sich die Konflikte in der Ehe mit seiner intelligenten Frau, die selbst therapeutische Erfahrungen hat. Obwohl er sich redlich bemüht sie glücklich zu machen, sich nach einem langen und anstrengenden Arbeitstag noch Zeit für das Kind nimmt und sogar im Haushalt hilft nimmt ihre Kritik an ihm immer mehr zu. Während gleichzeitig ihr sexuelles Interesse an ihm drastisch Maße abnimmt.

Auf meine Nachfrage hin gesteht Hans, dass sie kaum noch Sex zusammen haben, weil sie ihn stets abweist oder „Sachzwänge" vorschiebt. Er gesteht mit schlechtem Gewissen, dass er eine Affäre angefangen hat, obwohl er seine Frau liebt und eigentlich lieber mit ihr sexuell zusammen wäre. Hans ist in einer „Frauenwelt" aufgewachsen, mit wenig männlichem Einfluss und mit einem Vater, den die gesamte Familie ablehnt, weil er sein Leben nicht gemeistert hat. Hans hat früh gelernt, was Frauen von ihm erwarten. Dem gerecht zu werden bemüht er sich seitdem, aber weder er noch seine Partnerin macht es glücklich.

Sie wird immer mehr zur dominanten Mutter, die ihn lobt oder bestraft und er hat gelernt sich ihren Launen anzupassen. Sie bestimmt, wie die Atmosphäre zu Hause ist. Sie bestimmt, wie viel Nähe oder Distanz zwischen ihnen ist. Und sie bestimmt wann sie Sex haben, nicht er. In Auseinandersetzungen fühlt er sich meist als der Verlierer und sie belasten ihn weit mehr als seine Partnerin.

Um diesem unerträglichen Gefühl der Unterlegenheit und des Selbstzweifels an sich als Mann etwas entgegenzusetzen sucht er das Weite: in der Bestätigung seines Mannseins durch eine andere Frau. Leider kommt er dadurch vom Regen in die Traufe: Die Ablenkung und Entlastung durch seine Affäre führt zu einem schlechten Gewissen. Selbstzweifel und innere Zerrissenheit holen ihn schon bald ein. Wie so oft schon im Leben sucht er sich als Mann an der falschen Stelle zu finden: bei einer Frau.

Männliche Kraftquellen

Frauen sind die Menschen, mit denen wir Männer emotionale Nähe zulassen: Mutter, Großmutter, Kindergärtnerin, Lehrerin, Partnerin, Geliebte, Freundin... In diesem Jahrhundert erleben wir die physisch oder emotional abwesenden Väter, einen Mangel an männlichen Bezugspersonen und Vorbildern. Und während Frauen sich oft gegenseitig emotionalen Kontakt und Unterstützung geben, isolieren sich Männer in ihren Gefühlen immer mehr.

Kontakte zu anderen Männern reduzieren sich auf Hobbys, Sport oder Alltagsgespräche. Dies ist meist ein Spiegel für das Verhältnis zum eigenen Vater: wirkliche emotionale Nähe, Herzlichkeit und verbindliche Freundschaft fehlt hier meistens, ganz zu schweigen von Körperkontakt. Die Erfahrung zu machen, was es heißt, sich mit der Kraft und Unterstützung des Vaters, des Großvaters und der ganzen männlichen Linie der männlichen Ahnen zu verbinden kann überwältigend sein - hier gibt es die Kraftquelle der eigenen Wurzeln zu entdecken, von der die meisten männlichen „Einzelkämpfer" unserer Kultur abgeschnitten sind.

Freiheit, Stärke und Selbstbewusstsein als Mann leben

Dieses Buch zeigt Wege zu einer zeitgemäßen und neu verstandenen Männlichkeit auf, durch die aus großen Jungen Männer werden. Dieser Weg beginnt mit dem Verlassen der Komfortzone, dem Verlassen der weiblichen Nestwärme und führt in eine oft rauhe, aber herzliche Männerwelt.

Immer mehr Männer haben Frauen als Freundinnen und Berater für persönliche Themen und Probleme - ein großer Irrtum. Der Weg eines Mannes führt aus dem meist dominanten Einfluss des Weiblichen zu einem neuen Kontakt mit Männern. Echte Männerfreundschaften. Herzlich, schonungslos ehrlich und emotional stärkend. Denn: Wie aus einem Jungen ein Mann wird kann er nur von Männern lernen, aber niemals, wirklich niemals, von Frauen.

Im ehrlichen Spiegel von anderen Männern, jenseits von Konkurrenz, oberflächlicher Ablenkung und intellektueller Besserwisserei erfährt sich ein Mann als Mann. Ein anwesender Vater, der Reibungsfläche, aber auch Wärme bietet, männliche Vorbilder und Bezugspersonen in Kindheit und Jugend, aber auch ältere Mentoren erfüllten traditionell diese Aufgaben.

Aber dies ist heute leider immer seltener der Fall. Besonders emanzipierte Frauen meinen, sie können ihren Jungen alleine ohne Vater groß ziehen. Ein fataler Fehlschluss, denn: aus ihm wird ein großer Junge, aber kein Mann.

Eine Initiation ins Mannsein fehlt vielen Männern und so laufen sie verloren Frauen hinterher. Sie bleiben ewiger Rebell gegen den Vater und das Patriachat oder ziehen sich auf eine emotionslose und arrogante Position als „intellektuelle Besserwisser" zurück.

Dieses Buch will nicht Frauen die Schuld an den „verweichlichten" Männern geben, sondern will Männer aufrütteln ihre männliche Identität zu entdecken. Es will bei Männern Selbstbewusstsein und emotionale Autonomie stärken, damit sie Verantwortung für Ihr Leben als Mann übernehmen. Erst ein Mann, der seine männlichen Qualitäten wie Mut, Ehrlichkeit und Selbstdisziplin entwickelt hat, ein positives Verhältnis zu seinem Aggressionspotential entwickelt und Führung über sein Leben hat, kann auch in den Genuss seiner weibliche Anteile kommen. Dasselbe gilt in umgekehrter Weise auch für die Frauen - aber dies ist hier nicht das Thema, denn dies ist ein Männerbuch.

Ich stelle hier meine Erfahrungen aus insgesamt 20 Jahren Arbeit als Seminarleiter für Persönlichkeitsentwicklung, als Coach sowie als Paar- und Sexualtherapeut zu Verfügung.

Bjoern-Leimbach93Mit diesem Buch möchte ich auf eine gesellschaftliche Entwicklung aufmerksam machen, durch die Männer ihre Männlichkeit und Frauen ihre Weiblichkeit immer mehr verlieren. Ich zeichne einen Weg für Männer zu einer neu verstandenen Männlichkeit auf mit kraftvollen Initiationen und einer neuen Männerkultur. Der Herzenskrieger stellt eine Vision von Mannsein dar, mit neuem Selbstbewusstsein seiner Männlichkeit, mit Stolz und Unabhängigkeit. Er hat eine Verbindung mit der eigenen Kriegerenergie und seinem geöffneten Herz, um für seine Herzenswünsche und die eigenen Visionen zu kämpfen. Der Herzenskrieger spürt die Kraft der Liebe in sich und trägt sie kraftvoll in die Welt.

Das Männerbuch ist im September 2007 im Verlag Ellert & Richter erscheinen.

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