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echter-mannMänner sind maskulin, Frauen sind feminin. Männer kommen vom Mars und Frauen von der Venus. Das wird allgemein vertreten und in Bestsellern ausgeführt. Meine Beobachtungen in der Begegnung und in der Arbeit mit Männern sehen allerdings sehr anders aus. Der gesellschaftliche Trend geht dazu, dass Frauen maskulin und Männer feminin werden.

Wenn ich Paare beobachte oder mit ihnen arbeite, mache ich als Therapeut immer wieder dieselben Erfahrungen: die Frauen haben die Führung in der Beziehung, sie geben den Ton an und sagen wo es lang geht, die Männer lassen sich alles gefallen, verlieren sich und leisten - wenn überhaupt - nur passiven Widerstand. Denn sie haben häufig die Führung über sich und ihr Leben verloren, haben keine Vision oder etwas, wofür sie kämpfen. Viele wollen auch gar nicht kämpfen, sich auseinandersetzen oder anstrengen - im Gegensatz zu den Frauen. Und das spiegelt sich in der Partnerschaft, oft in drastischer Form.

Gaby und Dietmar kommen zu mir in die Beratung: Er, groß, stämmig und Anfang 40. Ein gestandener Mann mit Geschäftsführer-Position. Sie ist klein, zierlich und energisch in ihren Bewegungen, Ende 30 und hat eine klare Stimme. Sie bringt die Dinge deutlich auf den Punkt, er wirkt unsicher und eher wie ein großer Teddybär, der hinter ihr hertrottet.
Gaby: "Mir fehlt in der Ehe einfach ein Gegenüber, der mir seine Gefühle zeigt und der sagt, wo es langgeht. Ich bin es leid, die Entscheidungen alleine zu fällen und Konflikte anzusprechen, denn Dietmar sitzt alles bis zum "geht-nicht-mehr" aus." Ihre Augen blitzen funkelnd und streitlustig dabei, während aus Dietmar beim Zuhören die wenige Körperspannung, die er hat entweicht und er immer mehr zusammen sinkt.
Dietmar: "Ich weiß, ich sollte mehr von meinen Gefühlen zeigen. Aber mich macht es betroffen, so behandelt zu werden. Ich mache die Dinge halt auf meine Weise."
Der Körper- und Stimmausdruck sagt mir mehr als alle Worte: sie hat das Zepter in der Hand, mit Entschiedenheit, Klarheit und unmissverständlicher Dominanz zeigt sie ihm: Ich bin hier die Chefin. Er versteckt sich ängstlich hinter seinen intellektuellen Gedankengängen, beschwichtigt und versucht einen Konflikt zu vermeiden, den sie provoziert. Er hat wenig Körperspannung, der Mund ist entweder leicht geöffnet oder er grinst verlegen. Seine Bewegungen sind unmotiviert, fast hilflos - ohne Prägnanz oder emotionale Aussagekraft. Ich frage mich insgeheim, wie er mit diesem Verhalten und Auftreten als Geschäftsführer wohl Menschen führt.

Das Verhaltensmuster bei Gaby und Dietmar ist symptomatisch für viele Liebesbeziehungen: sie entwickelt Aggression, Dominanz und Biss, er fühlt sich unter Druck gesetzt und weicht vor ihren Angriffen immer mehr in die Defensive aus. Was ist hier los?
Warum Frauen an ihren Partnern rumnörgeln
Viele Frauen sagen wie Gaby offen, dass ihnen Engagement, Kampfgeist und Entschiedenheit bei ihrem Partner fehlen. Ihnen fehlt das Maskuline, Männliche, manche sagen offen: die Aggression. Gaby sagt: "Ich möchte meinen Mann spüren - nicht immer nur den unverbindlichen reservierten und lieben Jungen."

Frauen möchten spüren, dass ihr Partner stärker ist als sie - mit ihren Provokationen und Streitereien wollen Sie seine männliche Stärke hervor kitzeln. Wenn der Mann aber lieber ein großer Junge bleibt und sich verständnisvoll alles bieten lässt ohne sich zu wehren, dann eskaliert das Verhalten der Frau im Laufe der Zeit häufig. Wie bei Judith und Winfried in der Vorstellungsrunde eines Seminars.
Judith: "Ich möchte hier aufregende Begegnungen mit meinem Partner, aber auch mit anderen Männern erleben. Ich fühle mich oft nicht als Frau mit ihm und möchte das hier mit anderen Männern endlich mal wieder erfahren."
Die anderen Teilnehmer im Seminar hielten gespannt den Atem an und warteten darauf, wie Winfried auf diese Provokation wohl reagieren würde. Vielleicht hatte Judith gehofft, dass der Ballon platzt, wenn sie reinsticht, aber es entwich nur ganz leise zischend die Luft.
Winfried emotionslos: "Ich bin hier, um mit meiner Partnerin mehr Nähe und Intimität zu erleben. Wir haben uns in der Beziehung in den Jahren etwas auseinandergelebt und hoffen hier neue Impulse zu bekommen..." Kein Wort zu ihrer Provokation. Er ignoriert sie einfach.
Das machen viele Männer, die Angst vor ihrer eigenen Männlichkeit und ihrer Aggression haben. Sie sind so abhängig von der Partnerin, von ihrer Liebe und der Bestätigung durch Körperkontakt, dass sie sich nicht trauen, Grenzen zu setzten, "Nein" zu sagen und einen Konflikt zu riskieren. Falls es doch mal zu einer Konfrontation kommt, sind sie allzu schnell wieder bereit einzulenken, weil sie Angst haben, die Partnerin könnte sie verlassen oder die Beziehung könnte einen Schaden nehmen. Aus Abhängigkeit und Angst vor der eigenen maskulinen Energie sitzen sie auf ihren Gefühlen und werden immer lethargischer und duldsamer. Als lieber Junge haben sie diese Strategie oft erlernt und ihr Leben lang praktiziert, um ihre Mutter nicht zu verärgern.

Die heilige Allianz mit der Mutter
Männer wie Dietmar und Winfried stellen keine Ausnahme dar. Sie erleben sich selbst als emotional abhängig von ihrer Partnerin und gehemmt in ihrer Aggression. Meist gestehen sie sich dies noch nicht einmal ein, denn diese Erkenntnis würde ja notwendige Konsequenzen bedeuten. Sie haben bereits als Kind, wenn die Mutter ärgerlich war, die Strategie erlernt abzuwarten, bis Mama sich wieder beruhigte. Diese Strategie wenden sie auch in der Partnerschaft an: ducken, schweigen, weggehen und warten, bis die Frau sich wieder beruhigt hat. Sie fühlen sich so abhängig von ihrer Partnerin, dass sie häufig mehr Verständnis für deren Position als für ihre eigene haben. Diese Männer haben oft schon als Junge "auf Mutters Seite" gestanden. Sie hörten sich Mutters Kritik an ihrem Mann und ihre Ablehnung männlicher Werte und Verhaltensweisen an. Die Mutter traute ihnen häufig Geheimnisse an, die der Junge vor dem Vater geheim halten musste. Und sie übernahmen Mutters Ansichten über den Vater und über Männlichkeit, sie bezogen selbst die Position der Mutter, die sie immer weiter vom Vater entfernte. Das höchste Gut bestand darin, Mutter glücklich zu machen, sie nicht zu kritisieren und bloß nicht so zu werden wie der Vater. Und das größte Tabu war und ist, die Mutter zu kritisieren, sich abzugrenzen und "Nein" zu sagen.
Die Allianz mit der Mutter gegen den Vater und das Männliche hat nicht nur in dieser Phase eine großen Einfluss auf das Leben eines Jungen: befreit er sich nicht davon, so findet er keinen eigenen, von der Mutter unabhängigen Zugang zum Vater und damit zur eigenen Männlichkeit. Er wird groß und vielleicht stark und intelligent. Er wird ein Erwachsener, aber er wird kein Mann. Auf einer emotionalen Ebene bleibt er ein großer Junge, der sich emotional nicht vom übermächtigen Einfluss des Weiblichen in Form der Mutter befreit hat.
Lernt ein Mann im Laufe seines Lebens nicht „Nein" zu sagen und von seiner Mutter, ihren Wünschen, Bedürfnissen, Wertvorstellungen und Ansichten abzugrenzen, so holt ihn dieses Thema in seiner Partnerschaft ein.
Denn Frauen wollen keinen großen Jungen an ihrer Seite - sie wollen einen Mann, vor dem sie Respekt haben können.

Den Mann befreien
Die Selbsterkenntnis der emotionalen Abhängigkeit von Frauen ist die Voraussetzung für Veränderungen. In einem Einzelgespräch habe ich Dietmar sein Verhalten als Mann in der Partnerschaft gespiegelt. Dafür führte ich ihm die Kränkungen und Respektlosigkeiten seiner Partnerin deutlich vor Augen und brachte ihn in Kontakt mit seiner unterdrückten Wut. Das war nicht ganz leicht, denn er hatte als „braver Junge" von seiner Mutter gelernt Frauen für ihr Verhalten, wie ungerecht oder verletzend es auch immer sein mag, zu entschuldigen und sich selbst dafür in Frage zu stellen. Wenn seine Partnerin ihn beleidigte, dann fand er Gründe und Entschuldigungen dafür - meist einhergehend mit einer Selbstkritik. Aber schließlich funkte doch etwas Wut und Aggression auf. Das Argument, dass seine Partnerin von ihm als Mann erwarte, dass er auch mal Aggression und Abgrenzung zeige, damit sie ihn als Mann ernst nehme und begehre brachte ihn dazu, sich auf ein „Experiment" einzulassen.

Aggression ist maskuline Essenz
Ich hielt mir ein Sitzkissen vor den Bauch und forderte ihn auf, mich stellvertretend für seine Partnerin, zu schlagen und alles dabei auszudrücken, für das er in der Partnerschaft seit Jahren Verständnis aufgebracht hatte. Nach einer Anlaufphase begannen die Schläge auf das Kissen langsam kraftvoller zu werden, er baute Körperspannung auf und befreite seine Gefühle: "Mich kotzen deine ewigen Vorwürfe an. Ich bin das ewige Genörgel leid. Egal, was ich tue, es reicht dir niemals. Ich bin nicht für deine Gefühle verantwortlich..."
Mit meiner Unterstützung kam er langsam in Fahrt, traue sich Wut auszudrücken und Aggression aufzubauen. Seine Stimme wurde dynamischer und akzentuierter. Nach dem Ende der Übung war Dietmar überrascht, dass er sich körperlich und emotional besser und befreiter fühlte. Trotzdem fand er weiterhin, dass so ein Verhalten ungerecht und gewalttätig wäre und er seiner Partnerin niemals so gegenüber treten würde. „Mal schauen" sagte ich nur dazu. Denn Aggressionen sind ein Teil männlicher Essenz - wer sie opfert oder ablehnt kastriert sich selbst damit.
In einer weiteren Sitzung in der Paartherapie saßen sich Gaby und Dietmar gegenüber. Als Gaby als Wortführerin wieder begann, sich über Dietmars Verhalten zu beklagen, unterbrach ich die beiden und forderte sie auf sich gegenüber zu stellen. Ich gab ihm ein Sitzkissen, dass er es sich vor den Bauch halten sollte und forderte sie auf, ihren Vorwürfen und Gefühlen mit Schlägen auf ihren Partner, respektive das Kissen Ausdruck zu verleihen. Sie musste ich nicht unterstützen. Ohne zu zögern begann sie auf ihn einzuschreien, ihn zu beschimpfen und schlug kraftvoll auf das Kissen. Und er grinste. Das nette Gesicht blieb, obwohl er manchmal bei kraftvollen Schlägen einen Schritt rückwärts machte und sie ihm auch verbal ordentlich zusetzte.
Als sich ihre Wut nach einigen Minuten entladen hatte fing sie hemmungslos an zu weinen. Dietmar ließ schuldbewusst das Kissen fallen und sagte: „Es tut mir leid, das ich..." und im letzten Augenblick konnte ich davon abhalten sie zu umarmen. Ich fragte die beiden: „Kommt so eine Szene öfter in ihrer Partnerschaft vor?" Beide nickten betroffen und etwas peinlich berührt. Auf meine Nachfrage hin, gab sie zu ihn bei Wutanfällen auch zu schlagen oder Dinge in der Wohnung zu zertrümmern. Gaby: „Ich ertrage dieses dumme Grinsen einfach nicht mehr - da könnte ich so reinhauen!"
Aber Dietmar versteht weiterhin überhaupt nicht, was hier läuft. Sein inneres Programm „lieber, braver Junge" läuft weiterhin ab.
Gaby: „Wenn er sich wenigstens wehren würde! So verliere ich jeden Respekt und vergesse mich. Das Schlimmste ist, dass er sich danach immer entschuldigt wie ein begossener Pudel und Harmonie sucht, die gar nicht da ist. Ich schreie gegen eine Wand und schlage sozusagen ins Leere - das ist unerträglich."
Dietmar: "Soll ich dich denn etwa zurück schlagen? Sind wir schon auf diesem Niveau?"
Ok, langsam wird es spannend. Ich habe einen Hauch von Aggression und Widerstand bei ihm vernommen, den ich ausnutze: „Sie sagt nicht Nein und damit Ja. Ich schlage vor, du probierst es mal aus." Ich drücke ihr das Kissen in die Hand. Was dann passiert ist ein Trauerspiel: Er jammert wie ein kleiner Junge und schlägt energielos gegen das Kissen. Meine Versuche ihn zu motivieren verfehlen ihre Wirkung. Da platzt Gaby der Kragen. Sie schreit ihn an: „Du haust genau so impotent wie du beim Sex bist. Ich ertrage das nicht mehr."
Das wirkte und er beginnt energetischer zu schlagen in Wut zu kommen, sagen wir 50%, bis er nach kurzer Zeit erschöpft aufhört und die aufgebaute Körperspannung wieder entweicht. Gaby blühte übrigens richtig auf dabei. Ich meine sogar einen Hauch Bewunderung in ihrem Gesicht entdeckt zu haben. Aber auch sie kehrt wieder schnell in ihre Rolle zurück: „Du hättest ruhig fester draufhauen können." Ich frage nach: „Wie geht's dir Gaby?" Gaby: „Gut. Ich fands spannend." Trotzdem hat Dietmar ein schlechtes Gewissen, weil er seine Frau geschlagen hat. Wie bei der Gelegenheit herauskommt wirft sie ihm wirklich vor sexuell ein Versager zu sein, weil er manchmal Erektionsprobleme hat. Für sie war das ein Grund eine Affäre zu beginnen, was ihm sehr zusetzt. Das war letztendlich auch der Anlass zuzustimmen zu mir zu kommen und Hilfe zu suchen.
Dietmar hat noch Einiges vor sich, um sich als Mann zu befreien und in seine maskuline Kraft zu kommen. Aber ich will nicht zu einseitig werden. In der nächsten Sitzung arbeite ich mit Gaby, denn auch sie hat natürlich ihre Anteile an der Krise. Aber „die Stärkung des Femininen" wäre ein eigener Artikel - vielleicht sollte den auch lieber Leila als Frau schreiben...

Fazit: Als Mann wird man nicht geboren, um Mann zu werden muss man aktiv einiges tun.
Sonst bleibt man großer Junge. Mehr dazu in meinem Buch „Männlichkeit leben", dass wie geplant im September erscheinen wird.
Wer mehr als lesen und lieber konkrete Schritte ins eigene Mannsein, emotionale Unabhängigkeit von Frauen und die eigene Freiheit gehen will, dem sei das Herzenskrieger-Männertraining empfohlen.

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