| LoveCreation® | Auf der Suche nach dem verlorenen Glück„Geh dorthin, wo du verletzt bist, Die Liebe zeigt sich in der VerletzlichkeitDie Liebe macht verletzbar - sagt ein altes Sprichwort. Wenn dem so ist, wäre verständlich, warum in unserem Leben so wenig Liebe ist, warum so wenig Menschen die Liebe erfahren. Mit dem Verneinen und Vermeiden der Verletzlichkeit verhindern wir nicht nur die Liebe, wir verraten damit eine essentielle Qualität und Charakteristikum unseres Menschseins. Es gibt keine uns bekannten anderen Lebewesen, die so verletzbar sind, wie wir Menschen. - Verletzlichkeit ist eine zutiefst menschliche essentielle QualitätVon Geburt an haben wir die Qualität der Verletzlichkeit mitbekommen. Jedes Baby, das geboren wird, ist extrem verletzlich und abhängig: körperlich, emotional und mental. Betrachten wir ein Baby, können wir erkennen, dass diese Verletzlichkeit Offenheit und Vertrauen beinhaltet. Neugeboren, wie es auf die Welt kommt, ist es noch ein unstrukturierter, unbegrenzter Energiefluss, reine Wahrnehmung, eine Einheit mit allem. Ein offener, durchlässiger, fühlender, verletzlicher Wesenskern, der total geöffnet ist für die sinnliche Wahrnehmung und alle Impulse und Sinneseindrücke in sich aufnimmt, sich beeindrucken und beeinflussen lässt. Alles, was es sieht, hört, zu fühlen bekommt, hinterlässt seine Spuren im Bewusstsein des geöffneten Wesens: positive Spuren, im Sinne von unterstützend für die Entwicklung des eigenen selbst oder negative Spuren, in dem das selbst begrenzt oder zerstört wird. Der Schutzpanzer aus Abwehr und BewertungenIn einführenden Seminaren fragen wir manchmal die Menschen, was sie suchen, was sie erleben wollen. Dann hören wir sehr oft den Wunsch nach mehr Lebensfreude, Lust, nach einem Gefühl von mehr Lebendigkeit oder auch Entspannung. Viele Menschen leiden unter einer gewissen Gefühlsarmut und funktionieren vor allem in ihrem Leben. Sie fürchten die Verletzbarkeit und Abhängigkeit und bewerten diese als Schwäche. Sie haben Angst, ihren Gefühlen hilflos ausgeliefert zu sein, wenn sie diese zulassen und rettungslos von ihnen überflutet zu werden und in ihnen unterzugehen. Diesen Schutzpanzer haben wir uns bereits in frühester Kindheit erworben. Wenn wir uns dieses offene, durchlässige, verletzliche neugeborene Wesen, das wir alle einmal gewesen sind, vorstellen, dann verstehen wir auch, dass so ein Wesen auf Härte, Stress und Ungeduld der Erwachsenen mit Verwirrung, Hilflosigkeit und Ohnmacht reagiert. Das sind meist die ersten Spuren einer Schutzschicht. Diese Schutzschicht wird weiter stabilisiert, wenn auf den Ausdruck seiner Enttäuschung und Verletzung wiederum mit Unverständnis, Ungeduld und Ablehnung seitens der Erwachsenen reagiert wird. Dann kommt es zur zweiten Schutzschicht: Wenn das Baby die Ablehnung und Abwehr der Erwachsenen spürt, wehrt es selbst ebenfalls seine Gefühle des Unverstandenseins und Ausgeschlossenseins ab. Gleichzeitig baut es eine weitere Schutz- oder Abwehrschicht auf, indem es die eigenen Gefühle als negativ bewertet und bei sich selbst ablehnt. So wird die Schutzschicht allmählich zum Abwehrpanzer, der Schicht um Schicht dicker wird. So verlieren wir mehr und mehr die Erinnerung daran, wer wir einmal waren und verlieren den Kontakt zu unserem ursprünglichen Wesenskern. Wir verlieren den Kontakt zu unserem ureigensten selbst. Wir kennen nur noch unseren Panzer aus Rückzug und Einsamkeit, aus Abwehr und Aggression und identifizieren uns ganz selbstverständlich damit. Das sind wir. Der Glaube, sich ein dickes Fell zulegen zu müssen, um überleben zu können ist gesellschaftlich weit verbreitet, eine kollektive Überzeugung. So verstecken wir uns und vergessen unsere essentielle Gabe der Verletzlichkeit und Offenheit. Wie Unempfindsamkeit verletztDiese Verpanzerung nach außen hat jedoch vielerlei Verletzungen im Innern zur Folge: Tantra führt zurück zur VerletzlichkeitSo ist es nicht verwunderlich, dass immer mehr Menschen den tantrischen Weg beschreiten. Die unbewusste Erinnerung und daraus wachsende Sehnsucht nach dem eigenen ursprünglichen heilen Wesenskern, der alles enthält, was wir für ein glückliches Leben benötigen, lässt uns auf die Suche gehen. Der tantrische Raum bietet einen Schutzraum des Vertrauens und Loslassens, indem Menschen entspannen und die von ihnen gewünschten Schritte der Selbstentfaltung gehen können. Er ist ein energetischer Raum, indem das eigene Energieniveau erweitert und ausgedehnt werden kann, mit der Intention, den engen Panzer von Ängsten, Abwehr und Bewertungen aufzuweichen, um zurück zum eigenen Selbst zu finden. Dies kann geschehen, weil Menschen in diesem besonderen Raum Vertrauen finden, sich wieder berühren zu lassen - äußerlich und innerlich. Sie werden eingeladen, die anderen Menschen und die unmittelbare Erfahrung mit ihnen wirklich in sich eindringen zu lassen und sich davon durchdringen zu lassen. Die oft verschütteten Fähigkeiten des nach Innen Lauschens und Spürens werden neu geweckt. Dadurch entsteht ein ganz neuer Zugang zu sich selbst. Die Schutzschichten können nach und nach immer mehr aufgegeben werden, je mehr sie dem Prozess vertrauen. Dann machen sie die Erfahrung, dass sie zurückgewinnen, was sie solange so schmerzlich vermisst haben: Empfindsamkeit, Empfänglichkeit, Zartheit, Freude, Liebe und Lebendigkeit. Wir dürfen nicht verschweigen, dass das Auflösen des Schutzpanzers durchaus auch schmerzhaft sein kann. Wenn all die ungeliebten und abgewehrten Gefühle wieder auftauchen, tauchen Menschen unter Umständen noch einmal ein in Erlebnisse ihrer Kindheit, die aber nach unserem Verständnis, nur auf diese Art wirklich geheilt und gelöst werden. Die Früchte sind reichhaltig und süß: die Rückgewinnung der Empfindsamkeit und Empfänglichkeit für alle Gefühle und Gaben, die Menschen und das Leben für uns bereit halten. Leila Bust Artikel erschien gekürzt in der Zeitschrift „Sein", Berlin, 2004 |
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