Modul 9: König und Diener

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Königin webDen tantrischen Weg bezeichnen wir als einen Königsweg der Liebe. Doch die Liebe hat es in unserer modernen Zeit schwer, sich in unseren Herzen zu entfalten, da wir wenige Vorbilder dafür haben. Was uns vertrauter ist, ist die Liebe des 2. Chakras, EROS, das Begehren zwischen Mann und Frau oder auch PHILIA, die freundschaftliche Verbindung aufgrund von Sympathie und gemeinsamen Interessen. Die Liebe des 4. Chakras ist AGAPE (altgriechisch) und meint eine Liebe, die immer da ist, unabhängig von Menschen, Umständen und bestimmten Bedingungen.

Die Liebesbeziehungen in unserer Kultur sind jedoch überwiegend vom 2. Chakra geprägt, d.h. sie bieten einen Rahmen, in dem unser körperliches und sexuelles Begehren einen Ausdruck findet und der Liebespartner dafür da ist, die eigenen Bedürfnisse und Vorstellungen zu erfüllen. Wird dies von einem Partner verweigert, kommt es dann zu den Machtkämpfen, die so häufig prägend für viele Beziehungen sind. Die beiden Liebespartner stehen sich dann wie zwei Bettler gegenüber, die einander um Aufmerksamkeit und Liebe betteln oder die Bedürfnisbefriedigung gegenseitig absichern.

AGAPE geht über die von der Persönlichkeit begrenzten Liebesformen hinaus. Diese Liebe ist grundlegend und daher nicht an einen Menschen oder bestimmte Ereignisse gebunden. Sie ist wie eine Grundschwingung, die in jedem Menschen zur Verfügung steht und die jederzeit im Leben aktiviert werden kann. Sie gehört zu unserem essentiellen Sein, unserer wahren Natur.

Diese Liebe hat Platz nicht nur für einen oder zwei Menschen, sondern für viele - umfängt die Menschheit, die Natur, das Leben an sich. Diese Liebe gibt ein hoheitliches Gefühl und führt in die Verantwortung- für sich selbst, für die Ereignisse im eigenen Leben und auch für andere.

 

Führung und Hingabe

König webDie Rolle des Königs füllt jemand aus, der Führung und Verantwortung für andere übernimmt. Eigene Interessen und Bedürfnisse müssen hinten angestellt werden, wenn es um das Wohl der Menschen geht. Ein König lebt immer für eine größere Gruppe, setzt die Menschen, um die es geht höher als sich selbst; bzw. sieht darin keinen Widerspruch. Der König hat sowohl den Archetypus des Liebhabers als auch den des Kriegers integriert. Denn der König muss fähig sein, voller Leidenschaft Ziele durchzusetzen für sich und für die ihm anvertrauten Menschen. Er muss Autonomie und Unabhängigkeit entwickelt haben, denn er wird nicht nur Zuspruch ernten und muss sich gegebenenfalls den Widersachern gegenüber durchsetzen können.

Daher braucht es für die Rolle des Königs auch den „Mut des Löwen“, die Überwindung der eigenen Ängste, sich unbeliebt zu machen, abgelehnt zu werden oder allein dazustehen. Nur durch die Überwindung der eigenen Ängste, die der Krieger ermöglicht, entwickelt jemand eine natürliche Autorität und Charisma, Verantwortungsgefühl und einen eigenen Führungsstil. Auch in Liebesbeziehungen ist diese Rolle wichtig: dort kommt die demokratische Gleichberechtigung an ihre Grenzen, die oft auf der geheimen Abmachung beruht: „Tust du mir nichts, dann tu ich dir nichts.“ Oder: „gibst du mir, was ich brauche, geb ́ ich dir, was du brauchst.“ Die Alternative zu dieser gegenseitigen Bedürfnisbefriedigung bietet der „Königsweg der Liebe“: liebende Hingabe und respekt- und würdevolle Führung.

Um führen zu können braucht es daher eine Fähigkeit, die erst einmal ganz dazu im Widerspruch erscheint: die Qualität der Hingabe und des Dienens. Ein König kann nur führen, wenn es Menschen gibt, die ihm folgen. Die Liebe und Anerkennung der ihm anvertrauten Menschen gewinnt er jedoch durch seine Liebe, Empathie und Wertschätzung der ihm Anvertrauten gegenüber. Wer diese Fähigkeit nicht entwickelt hat, kann kein König sein; allenfalls ein Tyrann, der seine Position missbrauchen wird.

Viele Märchen wie Aschenputtel, Eisenhans oder „Gold- und Pechmarie“ wissen um diesen Zusammenhang. Dort müssen König oder Königin erst einmal lernen mit Liebe anderen Menschen zu dienen – und zwar in Form „niederer“ bzw. nicht standesgemäßer Arbeiten, bevor sie andere Menschen führen dürfen. Das führt eine Frau zu seelischer Reife, um von der Prinzessin-Göre oder der egozentrischen Drama-Queen, die ihre Gefühle und Befindlichkeiten zum Mittelpunkt der Welt macht, zur reifen Königin zu werden. Der Mann reift durch diesen Schulungsweg vom „Mama-Söhnchen“, der andere für sein Leben verantwortlich macht oder dem eitlem Prinzen, der nur sich selbstverliebt sieht, zu einer starken und verantwortungsvollen Führungspersönlichkeit.

 

Die einzelnen Schritte in diesem Modul:

  • Die Qualitäten des Dienens und der Hingabe erfahren
  • Die eigene Macht annehmen
  • Den eigenen Führungsstil und Führungsqualitäten entwickeln
  • Den Mut des Löwen: Großherzigkeit und Integrität entwickeln
  • Das Spiel mit den Kontrolldramen und ihre Auflösung erleben