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Männerfreundschaften

Maennerfreundschaft HerzenskriegerWarum Männerfreundschaften so wichtig sind und wie sie funktionieren

Vielleicht gehören Sie zu den Männern die denken, dass ihre Partnerin der wichtigste Mensch in Ihrem Leben ist. Mit ihr verbinden Sie Liebe, Nähe und Sex - oder auch Ihre Familie.

Meiner Erfahrung nach sind aber männliche Freunde entscheidender. Wahre Männerfreundschaften halten oft ein Leben lang und sind zuverlässiger als Partnerschaften. Ein echter Freund nimmt Anteil am Leben eines Mannes, unterstützt ihn in schwierigen Zeiten und feiert mit ihm seine Erfolge.

Er kennt ihn gut und sagt ihm aufrichtig und ehrlich seine Meinung, auch wenn es einmal weh tut. Er duldet keine Jammerei denn er möchte, dass sein Freund stark ist. Freunde untereinander brauchen sich nichts vorzumachen und keine Rolle zu spielen. Imponiergehabe und Fassadenpflege sind unnötig. Sie besprechen persönliche Dinge und Probleme miteinander und helfen sich gegenseitig dabei, bei Frauen „ihren Mann zu stehen". Sie wissen vieles voneinander und vertrauen sich ihre Geheimnisse an. Sie entwickeln eine Männersprache miteinander - mit Witz, Provokanz und Kreativität, die nicht für Frauen bestimmt ist. Männerfreundschaften können einem Mann einen wichtigen Halt im Leben geben. Mit echten Freunden geht man durch dick und dünn.

Dieses Kapitel möchte Sie einladen, Männerfreundschaften aufzubauen und eine neue Dimension und Tiefgang im Kontakt miteinander kennen zu lernen.

1. Männer sind Einzelgänger und haben nur selten echte Freunde

Männer sind oft Einzelgänger die sich damit abgefunden haben, dass man die wichtigen Dinge des Lebens alleine entscheiden und durchstehen muss. Egal, ob man eine Frau kennen lernen oder erobern möchte, auf dem Zehn-Meter-Brett im Freibad steht oder den Weg in einer fremden Stadt sucht: Männer haben sich daran gewöhnt, die Probleme in ihrem Leben alleine zu lösen.

Natürlich haben Männer Kontakt zu anderen Männern, aber meist im Plural. Selten verabredet sich ein Mann mit seinem „besten Freund", um mit ihm zu reden, so wie Frauen das häufig tun. Er trifft seine „Kumpels" lieber in der Kneipe oder beim Sport. Männer treffen sich nicht aus Selbstzweck, sondern um etwas zusammen zu machen. Sie trainieren gemeinsam im Verein oder gehen mit den Fans zu einem Spiel der Mannschaft. Sie arbeiten zusammen an einem Projekt oder diskutieren über eine Sache.

Wenn Männer sich treffen, gibt es fast immer ein gemeinsames Ziel, dass sie verbindet und das sie verfolgen. Das hat den Vorteil, dass oft etwas Produktives, ein handfestes Ergebnis entsteht und man nicht nur in Gesprächen um sich selbst kreist. Männer schaffen auf diese Weise etwas in der Welt, auf das sie stolz sind.

Männer reden nicht über sich selbst

Frauen wollen oft wissen worüber Männer reden, wenn sie sich treffen. Sie gehen dabei von sich selbst aus und denken, dass sie über Beziehung, Frauen, Liebe und Sex reden. Falsch gedacht. So etwas tun Männer selten. Beliebtere Themen sind meist Beruf, Sport, Politik, Philosophie oder das Tagesgeschehen.

Männer reden selten über persönliche Dinge wie ihre Gesundheit oder gar über Beziehung oder Sex. Und wenn, dann nur ganz allgemein gesehen. Wenn zwei Freunde sich treffen hört sich das Gespräch meist so an: „Wie läuft´s denn bei dir?" „Gut. "

Im alltäglichen Austausch geht es nicht um die Beziehung, sondern um den Job oder das neue Projekt. Nur manchmal, wenn es wirklich brennt, reden Männer über ihre Beziehung. Aber auch dann nur knapp und ohne große Emotionen. Thorsten: „Alles klar bei dir mit Claudia Zuhause?" Jörg: „Na ja, wird schon. Und bei dir mit Monika?" Thorsten: „Da läuft immer noch nichts." Thema abgehakt.

Fakt ist aber: Claudia und Jörg streiten ständig miteinander und er ist immer froh, wenn er das Weite suchen kann. Monika und Thorsten haben kaum noch Sex miteinander, was ihn total frustriert. Keiner redet über seine Frustration und die Wut, auch nicht darüber, dass sie beide ziemlich unglücklich in ihrer Partnerschaft sind. Männer treffen sich eher, um sich von diesen Problemen abzulenken.

Schade, denn Thorsten und Jörg könnten genauso wie viele andere Männer eine gegenseitige Unterstützung durch männliche Freunde gebrauchen, die ihnen Mut macht, notwendige Schritte zu tun und ihre Beziehung zu verbessern. Denn: Ein Mann ohne Freunde ist verloren.

Frauen werden in Gruppen stark - Männer unsicher

Seminare spiegeln in komprimierter Form die Verhaltensweisen wider, die auch im alltäglichen Leben auftreten. Insofern zeigen sie auch die Beziehungen zwischen Männern und Frauen in besonderer Klarheit. In einer zunächst fremden Gruppe, wie in einem Seminar, neigen die Frauen schnell dazu, sich gegenseitig zu unterstützen. In der Damentoilette beim Schminken geben sie sich untereinander Tipps und Unterstützung, während die Männer sich isolieren.

In Single-Seminaren, wenn es darum geht einen Partner für Übungen zu finden, teilen die Frauen die Männer vorher schon unter sich auf, während die Männer sich vereinzeln, in Konkurrenz gehen und sich um eine Frau bemühen, oder sich von einer Frau aussuchen lassen.

In längeren Seminaren wird deutlich, dass die meisten Männer auf die Frauen bezogen sind, die Frauen sich aber auch gerne miteinander zurückziehen. So übernimmt häufig die Frauenclique die Führung. Die Frauen bestimmen die Atmosphäre, die Gesprächsthemen und vor allem das Maß an Nähe und Distanz. Frauen reden miteinander über die Erfahrungen die sie mit einzelnen Männern gemacht haben und grenzen gemeinsam bestimmte Männer aus, die sie nicht mögen und favorisieren andere. Sie bestimmen die Rangliste der Männer, wer „in" und wer „out" ist. Und die Männer merken meist nicht einmal, was da vor sich geht.

Wenn wir in unseren Seminaren eine Trennung in einen Männer- und einen Frauenkreis ankündigen, entspannen und freuen sich die Frauen. Die Männer schauen skeptisch und unsicher in die Runde. Dabei sind es die Männer, die Kontakt, gegenseitige Unterstützung und Stärkung ihrer männlichen Kraft brauchen, damit sie sich bei den Frauen als Einzelkämpfer nicht völlig verlieren.

Warum tun Männer sich so schwer, wirklichen Kontakt und Männerfreundschaften aufzubauen und zu pflegen? Warum unterstützen Männer sich selten gegenseitig, wenn es um Frauen und Beziehung geht?

2. Die Angst vor dem anderen Mann

Die Angst vor dem Schwulsein

Männer haben große Angst davor als schwul zu gelten. Viele Männer denken, dass Männerseminare eher etwas für schwule Männer sind. Die Vorstellung einen Mann zu umarmen, hält sie von der Teilnahme ab. Diese Angst hält Männer aber auch oft davon ab, wirkliche Freundschaften aufzubauen und Nähe mit einem Mann zuzulassen. Dabei entsteht die Angst vor dem Schwulsein auf verschiedenen Ebenen:

Mangelnder Kontakt und Zuwendung vom Vater: Fehlende emotionale und körperliche Nähe zum Vater führen dazu, dass Männer es später schwer haben, eine männliche Form der Nähe im Kontakt mit Freunden aufzubauen. Dies wurde im Vater-Kapitel bereits ausgeführt.

Rollenunsicherheit in der Pubertät: haben Jungen in der Pubertät keine männlichen Vorbilder, so dienen oft männliche Klischees als Ersatz. „Schwul" ist dann ein Schimpfwort für alle weiblichen Eigenschaften, die sie bei sich ablehnen. Mangels Vorbildern weiß ein Jugendlicher nicht, wie er Nähe mit einem Jungen zulassen und wie eine wirkliche Männerfreundschaft aussehen kann. Mentoren oder Lehrer die vermitteln, wie männliche Nähe ohne eine sexuelle Komponente gelebt werden kann, fehlen.

Die Angst vor Verletzung

Obwohl Männer in ihrem Leben meist von einer Frau verletzt wurden, haben sie gelernt sich vor Männern zu schützen. Frauen gegenüber sind sie oft eher schutzlos und naiv. Das hängt häufig mit einer übernommenen Sichtweise der Mutter zusammen, wenn sie ihren Mann und die Männerwelt als Bedrohung erlebt hat und den Sohn vor „diesen Männern" beschützen wollte.

So sehen Männer andere Männer häufig als potentielle Aggressoren und Konkurrenten an, vor denen sie sich keine Blöße geben dürfen. Statussymbole und große Sprüche werden dann zur Abschreckung aufgefahren, um den Gegner einzuschüchtern.

Angst vor Verunsicherung

Nähe zwischen Männern verunsichert. Deshalb vermeiden Männer es, selbst einem guten Freund in die Augen zu schauen, sich berührbar und verletzlich zu machen. Meist fangen sie schnell an über etwas zu reden, um die Unsicherheit zu überbrücken. Deshalb gibt es auch Begrüßungs-Rituale wie Handgeben oder originelle Variationen davon bei Jugendlichen. Sie verhindern und überspielen ein Stück weit die Unsicherheit der Männer im Kontakt miteinander.

Interessanterweise gibt es eine ganze Reihe Kulturen, in denen der Körperkontakt unter Männern nicht so negativ besetzt ist wie in unserem Kulturkreis. Bemerkenswerterweise sind es zum Teil genau die Kulturen, deren Männer als besonders männlich gelten, in denen Nähe zwischen Männern völlig normal und ein Ausdruck von tiefer Verbundenheit ist.

Als junger Mann mit 22 Jahren machte ich einen Traum wahr und fuhr für längere Zeit nach Indien. Dort nahm ich eine Zeitlang in Varanasi Musikunterricht. Einmal, als mein indischer Lehrer mit mir zu einem anderen Musiker unterwegs war, nahm er im Gehen zärtlich meine Hand. Ich erstarrte schockiert, traute mich aber nicht, die Hand wegzunehmen. Ich hatte das schon öfter bei Männern in Indien gesehen und dachte sie wären Schwule. Und mein Lehrer redete weiter mit mir als wäre nichts passiert. Meine Fantasien nahmen ihren Lauf, als wir in eine dunkle Seitengasse einbogen...

Aber nichts passierte. Erst später erfuhr ich, dass dies in Indien (und vielen arabischen Ländern) unter Männern üblich ist: es ist ein Ausdruck des Vertrauens und der Freundschaft - zärtlich, herzlich - und in keiner Weise sexuell. So etwas findet man auch im arabischen „Hamam", einer Art Dampfsauna für Männer und an anderen Orten, an denen Männer unter sich sind.

Wer einen arabischen Freund hat, wird die besondere Nähe, Verbundenheit und Herzlichkeit unter arabischen Freunden zu schätzen wissen. In Marokko und in Algerien tanzen Männer (ohne Frauen!) miteinander und haben offensichtlich sehr viel Spaß dabei. Es gibt viele Gesten der Zärtlichkeit und Freundschaft, ohne dass die Härte, die ein Mann auch braucht, dadurch verloren geht. So eine Männerkultur findet man hier in Deutschland kaum.

3. Wie Männerfreundschaften funktionieren

Konkurrenz belebt die Freundschaft

In Männergruppen die zum Ziel haben sich gegenseitig zu stärken, passiert es häufig, dass alle immer nett und freundlich miteinander sein wollen. Im Kern ist die Idee dieser Männergruppen, sich gegenseitig zu unterstützen, natürlich gut. Aber wenn jede Konkurrenz und Aggression vermieden wird, werden diese Gruppen zu einem Sammelbecken von jammernden Opfern, die sich gegenseitig ihr Leid klagen und sich trösten. Die sich über die bösen Frauen beklagen, ohne sich gegenseitig zu stärken.

Männerfreundschaften sollten den Aspekt von Aggression und Konkurrenz in fairer und angemessener Weise mit einbeziehen. Es gibt viele Beispiele, wie sich Männer auf humorvolle und spielerische Weise in ihrer Stärke herausfordern und unterstützen können. Sie motivieren sich so gegenseitig aus der Komfortzone zu kommen und über sich selbst hinaus zu wachsen.

Hier einige Beispiele dafür:
Freunde joggen regelmäßig zusammen und machen daraus einen Wettlauf.
Freunde wetten um etwas und strengen sich an, um zu gewinnen.
Freunde streiten fair und entschieden miteinander, wenn es um wichtige Dinge geht.
Freunde wetteifern darum, wer mehr Umsatz macht und feiern das Ergebnis des Gewinners zusammen.
Freunde akzeptieren es zu verlieren und gönnen dem Freund seinen Gewinn.
Freunde machen sich gegenseitig Konkurrenz und ermutigen sich, die interessantere oder schönere Frau anzusprechen.

Freundschaft entsteht durch gemeinsames Erleben, nicht durch Diskutieren. Besonders das gemeinsame Durchleben und Bestehen echter Herausforderungen stärkt die Männlichkeit, die Freundschaft und das gegenseitige Vertrauen.

Solche herausfordernden Situationen kann sich jeder Mann mit seinen Freunden schaffen und davon profitieren. Ein Freund von mir engagierte beispielsweise gemeinsam mit vier Freunden einen Bergführer, der sie auf einer Tour im Hochgebirge begleitete:
"Wir waren angeseilt und es kam an manchen Passagen auf jeden Einzelnen an. An einer haarigen Stelle über dem Abgrund hatten wir, glaube ich, alle Angst. Ein Fehltritt hätte für alle verhängnisvoll sein können. Und da wir aneinander gebunden waren, achteten wir irgendwann ganz von selbst immer darauf, was der andere machte. Obwohl wir manchmal echt an körperlichen Grenzen waren, hat jeder das Letzte aus sich herausgeholt, um die Gruppe nicht zu blockieren. Wenn einer zu lange Pause machen wollte, haben die anderen ihn angestachelt, mehr aus sich herauszuholen. Letztendlich war alles sehr sicher, aber das gemeinsame Bestehen von einigen schwierigen Situation und die gegenseitige Unterstützung, die eigenen Grenzen zu überwinden, hat uns als Freunde sehr zusammen gebracht."

Solche gemeinsamen Erlebnisse mit einem oder mehreren Freunden bringen Männer zusammen. Die Männer stärken sich gegenseitig in ihrer Männlichkeit, um eine Aufgabe zu bestehen. Deshalb sind Outdoor-Events bei Firmen-Trainings und Management-Seminaren so beliebt. Sie fördern das Gemeinschaftsgefühl und den Zusammenhalt unter Männern.

Kleine „Abenteuer" und Herausforderungen sind dabei auch eine gute Möglichkeit, um als Vater die Beziehung zu seinem Sohn oder den Söhnen zu stärken und männliche Werte zu vermitteln.

Der Freund - beste Adresse für Sorgen und Probleme

Peter, ein Abteilungsleiter, litt unter den hohen Anforderungen und der oft unberechtigten Kritik seines Chefs. Er erlebte ihn als autoritär, wusste aber nicht, wie er mit dessen Einschüchterungen und Drohungen umgehen soll. So kam er immer häufiger nach Hause und beklagte sich bei seiner Frau über die Situation. Sie hörte geduldig zu, bemühte sich darum, Verständnis zu zeigen und ihn zu trösten. Nachdem das aber wochenlang so ging, platzte ihr irgendwann der Geduldsfaden und sie fuhr ihn an: „Hör endlich mit deinem Gejammer auf und setz dich durch. Bist du ein Mann oder ein Jammerlappen?"

Wenn ein Mann seiner Partnerin ständig seine Hilflosigkeit präsentiert, verliert sie den Respekt vor ihm. Je schwächer er sich zeigt, umso stärker muss sie sein. Die Partnerin kann ihn zwar trösten, aber er kommt dadurch immer mehr in die Rolle des Sohnes und sie übernimmt die Mutterrolle. Die Beziehung kommt ins Ungleichgewicht.

Ein Freund kann einen Mann besser darin unterstützen, sich dem Chef gegenüber durchzusetzen oder andere Konsequenzen aus der Situation zu ziehen. Dieser Rat gilt nicht nur für Peter. Man kann ihn auf alle Probleme von Männern ausweiten: Wenn ein Mann sich hilflos oder verletzt fühlt, sollte er nicht zu einer Frau sondern zu einem Mann gehen. Ganz gleich, ob es sich um Schwierigkeiten im Beruf oder in der Partnerschaft handelt, ist er bei einem Freund besser aufgehoben.

Davon abgesehen, dass es nicht gut für die Beziehung ist, wenn ein Mann seine Probleme ständig mit seiner Partnerin bespricht, sind ihre Ratschläge Lösungen aus weiblicher Sicht. Eine Frau kann einem Mann nicht sagen, wie er „seinen Mann stehen kann".

Auch wenn ein Mann krank ist, sollte er sich nicht von seiner Partnerin pflegen lassen, was allgemein üblich ist. Die Frau verliert sonst leicht den Respekt vor ihrem Partner. Es ist eine kraftvolle Erfahrung, sich von einem guten Freund in der Krankheit pflegen zu lassen oder es selbst für einen Freund zu tun - die Männer, die dies getan haben, berichten von sehr wertvollen und stärkenden Erfahrungen für sich und ihre Männerfreundschaft.

Deshalb ist es gut, unter Freunden zu lernen, wie man sich bei Krankheit, Verlusten oder Misserfolgen Trost und Unterstützung gibt. Es ist wichtig, einem Freund Anteilnahme zu zeigen und ihn auch einmal in den Arm nehmen zu können. Für viele Männer ist die Vorstellung undenkbar, einen weinenden Freund im Arm zu halten. Weil Männer es mit ihrem Vater nie erlebt haben, ist Körperkontakt mit einem anderen Mann sehr fremd. Es ist aber sehr heilsam und stärkend, wenn Männer lernen, ihre Emotionen miteinander zu teilen und eine angemessene männliche Form des Körperkontakts finden. Ein Mann tankt männliche Energie, wenn er so einem wahren Freund begegnet, der ihn versteht und auch emotionale Nähe zulässt. Nach solchen Begegnungen geht ein Mann gestärkt wieder ins Leben.

Freunde geben sich Geborgenheit

Ralph, ein Teilnehmer eines Männerseminars zum Thema „Mutter", sagte: „Ich habe zum ersten Mal Geborgenheit unter Männern erlebt - etwas, was ich sonst nur bei einer Frau erlebt habe. Dieses Gefühl von Geborgenheit kenne ich nur mit meiner Partnerin - deshalb bin ich vermutlich so abhängig von ihr."

Wie können Sie sich selbst oder unter Freunden ein Gefühl von Geborgenheit, Nähe und Wärme geben? Viele Männer kennen das Gefühl von Geborgenheit und Nähe unter Männern nicht, weil sie es nie mit ihrem Vater erlebt haben.

„Ich selbst habe einmal mit meinem Freund Ekkehard, der an einem See in Schweden wohnt und sich damit rühmt „das kleinste Hotel Schwedens" zu besitzen - nämlich nur für einen Gast - eine gegenseitige Coaching-Woche vereinbart. Jeder von uns wurde also 3 ½ Tage vom anderen umsorgt, gecoacht und betreut.

In den Tagen, als ich Gast war, wurde ich also bekocht und massiert, wir haben zusammen gekämpft, geweint, gelacht und diskutiert. Ekkehard ging mit mir in seine schwimmende Sauna. Er ruderte mich über den See oder fuhr mich auf dem Tandem durch die Gegend. Und natürlich machte er allerlei Übungen mit mir. Das Besondere für mich dabei war: es hat mir an nichts gefehlt. Ich habe nicht einmal an eine Frau gedacht und ich fühlte mich so emotional genährt, geborgen und ausgeglichen wie ich es sonst nur bei Frauen kannte."

Versuchen Sie eine Ebene mit guten Freunden zu finden, auf der Herzlichkeit, Wärme und ein Gefühl von Geborgenheit entstehen können. Fangen Sie an, über die Dinge zu sprechen, die Ihnen wirklich am Herzen liegen. Vor allem aber: tun Sie etwas füreinander. Wenn ein guter Freund krank ist, kümmern Sie sich um ihn.

In meinen Männerseminaren lernen Männer, wie sie sich gegenseitig auf eine männliche Art und Weise Herzlichkeit, Wärme und Körperkontakt geben können, um unabhängiger von der Bemutterung von Frauen zu werden. Denn durch jedes Bemuttert-Werden schwächen Sie Ihre eigene Männlichkeit und regradieren zum Jungen.

Anerkennung geben stärkt die Freundschaft

Männer sagen sich selten direkt, dass sie sich mögen. So etwas machen nur Frauen. Die Tatsache, dass man sich miteinander verabredet und etwas gemeinsam unternimmt oder auch den Freund einmal tatkräftig unterstützt, zeigt schließlich, dass man sich mag. Männer sind da recht pflegeleicht.

Warum sagen Männer meist nur Frauen, was sie an ihnen schätzen und bewundern (wenn sie frisch verliebt sind)? Männer begeistern sich meistens für Frauen, nicht aber für andere Männer. Schade eigentlich, denn das würde die Freundschaft vertiefen und intensivieren. Oft liegt das daran, dass sie selbst wenig Anerkennung und Bewunderung von ihrem Vater oder anderen Männern bekommen haben. Aber sind Sie zufrieden damit?

Überlegen Sie einmal, welche Eigenschaften und Verhaltensweisen Sie an Ihren Freunden schätzen - da wird es (hoffentlich) einiges geben. Riskieren Sie einmal bei passender Gelegenheit einem Freund zu sagen, was er gut kann und was Sie an ihm bewundern. Vielleicht verunsichert Sie das zunächst, aber Sie werden schon den richtigen Ton finden. Drücken Sie Ihre Anerkennung und Freude aus, wenn er Erfolg hatte oder erinnern Sie ihn an seine Stärken, wenn er verzagt oder mutlos ist. Schenken Sie ihm nicht nur ein gutes Buch, sondern schreiben Sie ihm eine Widmung hinein. Zu einer guten Männerfreundschaft gehört es Anerkennung und Wertschätzung auszudrücken.

Ein Freund ist der beste Kritiker

Sie müssen nicht alles gut finden, was ihre Freunde sagen und machen. Einen guten Freund erkennen Sie daran, dass er Sie auch gelegentlich kritisiert, dass er Sie offen auf Probleme anspricht und Ihnen auch einmal einen „Tritt in den Hintern" verpasst, wenn sie zu ängstlich oder mutlos sind, um für sich einzutreten.

Einmal erzählte ich Martin, einem guten Freund, davon, dass ich enttäuscht und frustriert darüber sei, dass mein erstes Männerseminar so wenig Teilnehmer hatte und es sich finanziell nicht lohne das weiter anzubieten. Er wusste, dass mir die Männerarbeit sehr am Herzen lag und sagte mir, dass ich bloß zu feige sei, wenn ich schon beim ersten Versuch aufgeben würde. Er erinnerte mich daran, wie auch andere Seminarreihen nur schwer in Gang kamen, aber ich dran geblieben bin. Und er provozierte mich: „Was willst du denn für ein Vorbild für die Männer sein, wenn du nach einem Versuch aufgibst? Ist es das, was du über Männlichkeit vermitteln willst? Zu so jemandem würde ich auch nicht hingehen!" Das fand ich ziemlich fies von ihm und verteidigte mich nach besten Kräften. Zuhause merkte ich aber, dass er recht hatte und heute bin ich ihm sehr dankbar dafür.

Von einem echten Freund lässt man sich solche Dinge sagen.

Ehrliche Auseinandersetzungen stärken die Freundschaft

Riskieren Sie eine Auseinandersetzung mit Ihren Freunden. Freundschaft bedeutet nicht allen Blödsinn von Freunden gut zu finden und immer einer Meinung zu sein. Und Sie wissen ja bereits: echte und faire Kämpfe schaffen Intimität, Respekt und Achtung für sich und den anderen...