| LoveCreation® | Linda, Tochter ihres VatersDie Bedeutung der Vater-Tochter Beziehung in der PartnerschaftBarbara Streisand: Papa, can you hear me (Auszüge): Please, Papa, forgive me...
LindaLinda* kommt zu mir in die Einzelsession. Sie ist eine junge Frau, Anfang dreißig, sehr schlank und sehr hübsch. Die Art wie sie sich grazil bewegt, wie sie im Sessel Platz nimmt, ihre ganze Haltung ist eine interessante Mischung aus Schüchternheit und Sinnlichkeit. Ihr ganzer Habitus scheint nur ein Ziel zu verfolgen: Eindruck zu machen. Die Frage, die dahinter steht: komme ich an?! „Oh, eine Papatochter, die gefallen will", denke ich. Linda spricht von ihrem Problem in ihrer Partnerschaft: Sie ist seit 13 Jahren mit ihrer ersten großen Liebe zusammen; seit einigen Jahren auch verheiratet. Doch die Liebe, die intensiven Gefühle zu ihrem Mann scheinen erloschen. Sie hat keine Lust mehr auf ihn. Meistens wagt sie dies nicht mitzuteilen und sie macht mit, so gut sie kann. Aber es kommt immer häufiger vor, dass sie keine Lust auf ihn hat und sie ist auch nicht mehr bereit, in der Liebe mitzuspielen. So kommt es immer häufiger vor, dass sie die Annäherungen ihres Mannes zurückweist. Dennoch wagt sie es nicht über ihre Gefühle zu sprechen, aus Angst ihn zu verletzen. Auch an ihrem Arbeitsplatz spiegelt sich ähnliches Verhalten. Sie hat eine Stellung als Chefsekretärin. Stets ist sie bemüht, ihrem Chef alles Recht zu machen, für ihn mitzudenken und ihm die Arbeit zu erleichtern. Sie ist fleißig, strebsam und bringt mehr Leistung als von ihr verlangt wird. Wenn sie mal kritisiert wird stellt sie sich grundsätzlich in Frage und verliert das Vertrauen in sich und ihre Fähigkeiten. Linda spiegelt uns ein Thema, das für uns Frauen und unsere Liebesbeziehungen entscheidend ist: die Beziehung, die wir zu unserem Vater hatten, den Mann, den wir als erstes geliebt haben. Damals als kleine Mädchen, wo unsere Liebe noch unglaublich offen, tief, ungestüm und unschuldig war. Wie ist diese unsere Liebe beantwortet worden? Welchen Spiegel haben wir durch das Verhalten unseres Vaters gezeigt bekommen? Einen Spiegel, der uns gezeigt hat: Ja, du bist ein wunderbares kleines Mädchen, du bist hübsch, klug und all deine Gefühle sind willkommen? Haben wir uns ermutigt gefühlt und in unserem Selbstwert als kleine Mädchen anerkannt und bestätigt gefühlt? Oder haben wir in einen leeren oder blinden Spiegel geschaut, weil der Vater abwesend, nicht präsent, zurückgezogen war und keinerlei Interesse gezeigt hat? Ist unsere Liebe angemessen beantwortet worden oder ist sie unbeantwortet, zurückgewiesen worden, ins leere Nichts gelaufen, oder anders verletzt worden? Die Beantwortung unserer Liebe durch den Vater begründet essentiell unseren Selbstwert, unsere Eigenliebe und Selbstbewusstsein als Frauen und prägt entscheidend unsere Beziehungen zu unseren Liebespartnern.
Der negative Aspekt der Vater-Tochter BeziehungMeist wird die kindliche Liebe des kleinen Mädchen jedoch nicht in der Weise vom Vater beantwortet, wie sie es gebraucht hätte. Der für sie notwendige Spiegel blieb oft leer oder blind, sodass sie ins Dunkle gelaufen oder ins Bodenlose gefallen ist - und es schwer hatte, sich als Frau zu finden. Da kleine Mädchen jedoch sehr sensibel und schwingungsfähig sind, haben sie sehr schnell „gelernt", wie sie es anstellen können, um die Aufmerksamkeit und das Interesse von Papa zu bekommen. All ihre Anstrengungen waren darauf hin gerichtet, die für sie und ihren Selbstwert als Frau so notwendige Aufmerksamkeit und Bestätigung zu erhalten. Diese Strategien wurden natürlich von der eigenen Persönlichkeit und der des Vaters abhängig entwickelt. Und sie wurden beibehalten. Sie prägen ihre aktuellen erwachsenen Liebesbeziehungen und es ist bis heute die Art und Weise, wie sie als Frau mit dem Mann in Kontakt geht, bzw. wie sie versucht, seine Aufmerksamkeit und Liebe zu bekommen: Die Gefall-Tochterhat irgendwann bemerkt, dass Papa ein Auge und Aufmerksamkeit für alles Schöne hat. Er kleidet sich selbst vielleicht elegant, aber vor allem wird sein Interesse durch schöne oder elegante Frauen geweckt. Und das kleine Mädchen hofft, wenn es sich ebenfalls so schön und besonders kleidet, wird es ebenfalls die Aufmerksamkeit vom Vater bekommen. So fängt es schon früh an, sich für den Mann schön zu machen. Ihr Interesse ist auf Kleidung, Stil und Farben gerichtet, die neuste Mode, Diäten, Wellness und was es noch alles so gibt, was uns Frauen schöner und attraktiver macht und damit erfolgreich das Auge des Mannes auf uns zieht. Eine der größten Industrien unserer Gesellschaft, die Schönheits- und Wellnessindustrie lebt genau von diesem Schattenaspekt der Gefall-Tochter. Die Leistungs-Tocherhat irgendwann bemerkt, dass Papa gern liest, wissenschaftliche Zeitschriften seine ganze Zeit in Anspruch nehmen, er gerne mit Freunden über bestimmte Themen diskutiert. Oder Papa ist ein Intellektueller oder beruflich erfolgreicher Mann. Das kleine Mädchen bemerkt, dass es Papas Interesse gewinnt, wenn es klug ist, mit diskutieren kann, mit dem Papa über gewichtige Themen sprechen kann. Und sie wird eine furchtbar fleißige und strebsame Schülerin. Vielleicht kann sie bereits lesen oder rechnen bevor sie noch zur Schule kommt. Und ihr ganzes Interesse ist darauf gerichtet, gute Leistungen zu erbringen in der Schule, beim Sport oder auch im musischen Bereich, je nachdem, was das Interesse des Vaters ist. Diese Papatöchter wählen ihren Beruf nicht nach ihrem Interesse sondern wählen meistens einen, der dem des Vaters ähnlich ist oder von ihm ausgesucht wurde. So habe ich viele Frauen und Teilnehmerinnen getroffen, die zumindest in meiner Generation noch in die typisch männlichen Handwerksberufe ihrer Väter gegangen sind. Für sie war es dann ein besonderer Erfolg, wenn sie es z.Bsp. zum Meisterbrief geschafft haben, wie ihr Vater. Oftmals haben diese Frauen dann später, nachdem sie das erkannt haben noch einmal einen anderen Beruf erlernt. Leistungstöchter sind beruflich für gewöhnlich sehr erfolgreich, denn sie sind ehrgeizig, sehr motiviert und selbstbewusst, aber leider halt oftmals nicht in einem von ihnen gewählten Beruf, sondern einen, von dem sie meinten, dass er Papa gefällt. Die Trotz-Tochterist das kleine Mädchen oder die Jugendliche, die zunächst immer Widerworte hat. Die grundsätzlich nicht tut, was Papa meint oder gut findet. Sie provoziert ihn, um gerade dadurch seine Aufmerksamkeit zu erhalten. Sie hat vielleicht nicht so körperliche Vorzüge wie die Gefall-Tochter, ist aber dafür sehr wortgewandt. Oder der Vater ist furchtbar spießig und moralisch, sodass sie durch ihre Rebellion auf sich aufmerksam macht. Auch dieses Verhalten trägt sich in unsere späteren Liebesbeziehungen und Partnerschaften hinein: die Strategie, erst einmal Kontra zu geben. Die Abwehr-Tochterist eine Variation der Trotztochter. Sie ist auf den ersten Blick keine typische Papa-Tochter, denn sie ist erst einmal mehr an der Mutter orientiert. Meistens weil diese dominanter und stärker als der Vater war. Kleine Mädchen werden zu Abwehr-Töchtern wenn der Vater schwach, sehr introvertiert, zurückgezogen und sozial wenig verantwortlich ist. Die Abwehr entsteht aus der enttäuschten Hoffnung, von ihm Unterstützung, Hilfe, Halt und ein Vorbild zu finden. Es ist die enttäuschte Hoffnung der Mutter, die sich in Abwertung des Mannes verwandelt hat und die hier von dem kleinen Mädchen übernommen wird. So betrachtet die Abwehr-Tochter den Mann bald durch die Brille der dominanten Mutter: mit einem entwertenden Blick. Die herablassende Art, die entwertende Haltung schleicht sich wie ein Bazillus ein und befällt systematisch die spätere Partnerschaft. Meist zunächst subtil und leise - je nach Veranlagung aber auch laut und offenkundig lässt sie den Mann ihre heimliche Verachtung spüren, entwertet ihn und beraubt ihn damit seiner Männlichkeit. In ihren Augen sind die Männer allgemein - oder auch nur der eigene ein Versager, Angeber, Schaumschläger, schlaffer Sack, Waschlappen, eben alles, was ihn in seiner Potenz angreift. Abwehr Töchter degradieren den Mann in seinem Mannsein. Sie haben u.U. eine höhere berufliche oder soziale Stellung als der Mann inne. Meistens aber finden wir sie in beruflichen oder sozialen Stellungen, vorzugsweise fürsorglichen Positionen, die Macht und Dominanz beinhalten, wie alle pflegenden Berufe, Hausfrauen und Mütter. Die Abwehr-Tochter sorgt dafür, dass sich der Mann ihren Vorstellungen unterordnet, genau wie ihre Kinder. Sie hat zumindest im emotionalen Kontext eine starke Position. Durch sie versucht sie sich auf offensichtliche Art die Aufmerksamkeit und Zuwendung des Mannes zu sichern und zu kontrollieren. Doch zurück zu unserem Beispiel Linda:
*Name und Beruf sind verändert, um die Anonymität der Betroffenen zu gewährleisten. Beschreibungen der Person sind leicht verändert, die essentielle Aussage zum Thema bleibt jedoch erhalten.
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